Wenn du deine Wohnung oder dein Haus verkaufen oder vermieten willst, brauchst du ihn: den Energieausweis. Doch was ist das eigentlich? Und lohnt sich der Aufwand? Viele Immobilienbesitzer denken, es ist nur ein Papier, das man schnell besorgen muss. Doch der Energieausweis kann dir Tausende Euro im Jahr sparen - oder dir beim Verkauf ganz schön ins Geld gehen.
Was ist ein Energieausweis und warum brauchst du ihn?
Der Energieausweis ist kein freiwilliges Gutachten, sondern eine gesetzliche Pflicht. Seit 2007 muss er bei jedem Verkauf, jeder Vermietung oder Neuvermietung einer Immobilie vorgelegt werden. Er zeigt, wie viel Energie ein Gebäude verbraucht - und das nicht nur in Zahlen, sondern in einer klaren Farbskala von A+ bis H. A+ bedeutet: fast null Energiebedarf. H bedeutet: ein echter Energieverschwender.
Diese Einstufung ist nicht nur für dich wichtig. Käufer und Mieter schauen heute direkt darauf. In Salzburg, München oder Berlin ist ein Haus mit Klasse A+ oft bis zu 20 % teurer als ein vergleichbares Haus mit Klasse F. In ländlichen Gegenden kann der Unterschied sogar 50 % betragen. Das liegt nicht an der Lage, sondern am Geld, das man monatlich für Heizung und Warmwasser zahlt.
Verbrauchsausweis vs. Bedarfsausweis: Was ist der Unterschied?
Nicht alle Energieausweise sind gleich. Es gibt zwei Typen: den Verbrauchsausweis und den Bedarfsausweis. Und der Unterschied ist entscheidend.
Der Verbrauchsausweis schaut zurück. Er berechnet den tatsächlichen Energieverbrauch der letzten drei Jahre. Du musst nur deine Heizkostenabrechnungen vorlegen - fertig. Das ist schnell, einfach und günstig: zwischen 50 und 100 Euro.
Der Bedarfsausweis schaut nach vorne. Er berechnet, wie viel Energie das Gebäude theoretisch brauchen würde - basierend auf Dämmung, Fenstern, Heizung und Baujahr. Dafür muss ein Experte vorbeikommen, misst Wände, prüft die Isolierung, nimmt Fotos auf. Das kostet 100 bis 500 Euro, je nach Größe und Komplexität.
Warum sollte man den teureren nehmen? Weil er objektiv ist. Ein Verbrauchsausweis kann täuschen. Wenn du den ganzen Winter die Heizung auf 28 Grad drehst, steht da: „Hoher Verbrauch“. Wenn du sparsam lebst, steht da: „Sehr gut“. Aber das hat nichts mit dem Haus zu tun - nur mit dir. Bei Leerständen ist der Verbrauchsausweis sogar nutzlos. Der Bedarfsausweis sagt: „Dieses Haus ist schlecht gedämmt.“ Punkt. Keine Ausreden.
Kosten im Detail: Was du wirklich zahlen musst
Die Preise für Energieausweise variieren stark. Hier ist, was du wirklich erwarten kannst:
- Verbrauchsausweis: 50-100 € (für Einfamilienhäuser)
- Bedarfsausweis (Einfamilienhaus): 150-300 €
- Bedarfsausweis (Mehrfamilienhaus mit 5+ Wohnungen): 300-500 € plus 30-50 € pro Wohnung
- Online-Bedarfsausweis (nur für einfache Fälle): ab 100 € - aber Vorsicht: oft unzuverlässig
Wer sagt, dass ein Schornsteinfeger oder ein zertifizierter Energieberater der billigste Weg ist, liegt falsch. Die meisten machen das heute online - aber nur, wenn sie die Daten wirklich kennen. Ein Haus aus den 70ern mit Holzfenstern und keiner Dämmung? Da brauchst du einen Experten vor Ort. Ein modernes Haus mit Wärmepumpe und Photovoltaik? Dann reicht vielleicht ein Online-Formular.
Ein Beispiel: Ein Haus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche in Klasse A+ verbraucht etwa 240 Euro Energie pro Jahr. In Klasse H? 2.400 Euro. Das ist eine Differenz von 2.160 Euro - pro Jahr. Und das zahlt der Mieter. Oder du, wenn du selbst wohnst.
Wie beeinflusst der Energieausweis den Wert deiner Immobilie?
Ein schlechter Energieausweis ist wie ein rotes Licht beim Autoverkauf. Niemand will ein Auto mit defekter Motorkontrollleuchte. Genauso wenig will jemand ein Haus mit Klasse H.
Studien zeigen: Immobilien mit den besten Klassen (A-B) verkaufen sich 37 % häufiger und 22 Tage schneller als solche mit Klasse D oder schlechter. Das ist kein Zufall. Käufer rechnen jetzt von Anfang an mit den Nebenkosten. Und wenn du 2.000 Euro mehr pro Jahr zahlen musst, willst du das Haus nicht.
In Salzburg, wo die Heizkosten in den letzten Jahren um 40 % gestiegen sind, ist das besonders wichtig. Wer jetzt seine Immobilie verkaufen will, muss wissen: Ein guter Energieausweis ist kein Extra - er ist Teil des Verkaufspreises.
Wann lohnt sich eine Sanierung?
Wenn dein Haus in Klasse E, F oder H steckt, ist es Zeit zu handeln. Experten sagen: Ab Klasse E lohnen sich Sanierungen. Warum? Weil die Energieeinsparungen die Kosten über die Zeit ausgleichen.
Beispiel: Du investierst 15.000 Euro in neue Fenster, Dämmung und eine Wärmepumpe. Deine Energiekosten fallen von 2.400 auf 600 Euro pro Jahr. Das sind 1.800 Euro Einsparung jährlich. Nach acht Jahren hast du die Investition zurück. Danach ist es reines Geld, das du nicht mehr ausgibst.
Dazu kommen staatliche Förderungen. Die KfW zahlt bis zu 28.000 Euro Zuschuss für umfassende Sanierungen. BAFA gibt bis zu 45 % der Kosten für neue Heizungen zurück. Und seit 2024 kannst du Sanierungskosten über acht Jahre steuerlich absetzen. Das macht die Investition fast doppelt so attraktiv.
Was kommt 2025? Die neuen Regeln
Ab 2025 wird es noch strenger. Die neue Fassung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) verbietet es, Gebäude mit Energieeffizienzklasse F oder schlechter zu vermieten. Das trifft Hunderttausende Wohnungen in Österreich und Deutschland.
Was bedeutet das für dich? Wenn du heute eine Immobilie mit Klasse F besitzt, musst du bis 2025 sanieren - oder sie bleibt unvermietbar. Das ist kein theoretisches Szenario. Es ist bereits im Gesetz. Und die Behörden prüfen jetzt auch, ob der Energieausweis aktuell ist. Ein zehn Jahre alter Ausweis reicht nicht mehr, wenn du das Haus sanierst.
Einige Experten warnen: Der aktuelle Systemansatz ist noch nicht perfekt. Der Verbrauchsausweis kann durch das Verhalten der Mieter verfälscht werden. Aber das ändert nichts an der Realität: Energieeffizienz ist heute ein zentrales Kaufkriterium. Und wer das ignoriert, verliert Geld - und Kunden.
Was tun, wenn du unsicher bist?
Wenn du nicht weißt, welcher Ausweis für dich der richtige ist, frag einen unabhängigen Energieberater. Nicht den, der dir gleich eine Sanierung anbietet. Sondern jemanden, der dir sagt: „Dein Haus ist schon gut. Du brauchst keinen neuen Ausweis.“ Oder: „Du musst dringend sanieren - und hier sind die Fördermittel.“
Vermeide Online-Angebote, die für 80 Euro einen Bedarfsausweis versprechen - besonders bei älteren Häusern. Die sind oft falsch. Und wenn der Käufer später einen eigenen Ausweis machen lässt und eine andere Klasse rauskommt, kannst du auf Schadensersatz verklagt werden.
Ein guter Energieausweis ist keine Belastung. Er ist ein Werkzeug. Ein Werkzeug, das dir zeigt, wo du sparst. Wo du investieren solltest. Und wo du dich nicht mehr fragen musst: „Warum verkauft sich mein Haus nicht?“
Personenkommentare
Ich hab meinen Energieausweis vor zwei Jahren gemacht – Verbrauchsausweis, 75 Euro, alles online. Hab gedacht, das reicht. Bis der Käufer einen Bedarfsausweis bestellt hat und plötzlich von A+ auf F fiel. Ich hab dann nochmal 300 Euro hingeblättert, um das Haus zu sanieren. War die beste Investition meines Lebens. Heute zahle ich 400 Euro im Jahr statt 2.200. 🤯