Was sich 2025 wirklich ändert: Solaranlagen auf Ihrem Dach sind nicht mehr freiwillig
Wenn Sie 2025 ein neues Haus bauen oder ein bestehendes Dach sanieren, dann wird es nicht mehr reichen, einfach zu hoffen, dass die Sonne irgendwann mal Strom liefert. In vielen Bundesländern ist es jetzt Pflicht, eine Solaranlage auf das Dach zu setzen. Das ist kein Trend, kein Werbeversprechen, sondern Gesetz. Und es betrifft nicht nur große Gewerbegebäude - sondern auch Ihr Einfamilienhaus.
Die Bundesregierung will bis 2030 mindestens 215 Gigawatt Photovoltaik-Leistung in Deutschland installiert haben. Im Dezember 2023 lagen wir bei knapp 82 Gigawatt. Das bedeutet: In den nächsten fünf Jahren muss sich die Kapazität mehr als verdoppeln. Und das geht nur, wenn jeder, der neu baut oder umfassend sanieren lässt, mitmacht. Die Bundesländer haben deshalb ihre eigenen Regeln gemacht - und die unterscheiden sich stark.
Wo genau gilt die Solarpflicht? Ein Überblick der Bundesländer
Es gibt keine einheitliche Regelung für ganz Deutschland. Jedes Bundesland hat seine eigene Bauordnung. Das macht es kompliziert - aber auch überschaubar, wenn Sie wissen, wo Sie wohnen.
Baden-Württemberg ist Vorreiter: Seit Januar 2022 muss jede neue Wohnimmobilie eine Solaranlage bekommen. Keine Ausnahmen - außer bei Denkmalschutz. Berlin verlangt seit Januar 2023, dass mindestens 30 Prozent der Dachfläche mit Solarmodulen bedeckt werden, wenn das Gebäude mehr als 50 Quadratmeter Nutzfläche hat. Das ist eine klare, messbare Vorgabe.
Nordrhein-Westfalen hat die Regeln 2025 weiter verschärft. Seit Januar gilt die Solarpflicht für alle neuen Wohngebäude. Auch bei umfassenden Dachsanierungen von Nichtwohngebäuden und bei Parkplätzen mit 70 oder mehr Stellplätzen muss jetzt eine Anlage installiert werden. In Bremen ist es anders: Hier muss nur die Hälfte der geeigneten Dachfläche genutzt werden - aber nur, wenn diese Fläche größer als 50 Quadratmeter ist. Kleinere Dächer sind ausgenommen.
Hamburg und Niedersachsen haben ähnliche Regeln wie NRW. In Rheinland-Pfalz hingegen muss das Dach nicht gleich mit Modulen bestückt werden - aber es muss PV-ready sein. Das heißt: Das Dach ist so gebaut, dass es das Gewicht einer Solaranlage trägt, und es gibt einen Kabelschacht bis in den Keller. Die Anlage kann später nachgerüstet werden - aber nicht ohne Vorbereitung.
Bayern macht es anders: Hier gibt es nur eine Empfehlung. Der Gesetzgeber sagt: „Es wäre gut, wenn Sie eine Solaranlage installieren.“ Aber es ist nicht verpflichtend. Wer das Dach sanieren will, kann es auch ohne Photovoltaik tun - und bleibt legal.
Was bedeutet „PV-ready“ wirklich?
„PV-ready“ klingt nach einer einfacheren Lösung - und ist es auch, für den Bauherrn. Aber es ist kein Freifahrtschein, die Solaranlage zu verschieben. Es ist eine Vorbereitung, die später teuer werden kann, wenn sie nicht richtig gemacht wird.
Ein PV-ready-Dach muss drei Dinge erfüllen: Erstens, die Tragfähigkeit muss für das Gewicht der späteren Anlage ausgelegt sein - also etwa 20 bis 25 Kilogramm pro Quadratmeter zusätzlich. Zweitens, es muss ein Kabelschacht vom Dach bis zum Hausanschlusskasten oder zum Stromzähler geben. Drittens, die elektrische Leitung muss bereits im Dachbereich verlegt sein, bis zu einem Punkt, an dem die Wechselrichter später montiert werden können.
Wer das nicht beachtet, muss später das Dach wieder öffnen, um Kabel zu verlegen. Das kostet viel Geld - und zerstört die Dachabdichtung. Ein PV-ready-Dach ist also kein „Später-mach-ich-das“-Plan, sondern eine kluge Investition, die später Tausende Euro spart.
Die neue 3-Quadratmeter-Regel: Größere Module, weniger Aufwand
Ein kleiner, aber wichtiger technischer Wechsel ist ab Ende März 2025 in allen Bundesländern wirksam: Die maximale Einzelglasfläche von Solarmodulen steigt von 2 auf 3 Quadratmeter. Das klingt nach einer Kleinigkeit - aber es hat große Auswirkungen.
Früher mussten Installateure bei großen Dächern viele kleinere Module anbringen, um die 2-m²-Grenze einzuhalten. Das bedeutete mehr Montageaufwand, mehr Verbindungen, mehr Fehlerquellen. Jetzt können sie größere Module nutzen - was die Montage schneller macht, die Anlage stabiler ist und die Kosten pro Watt sinken.
Diese Regelung gilt vor allem für Gewerbegebäude und größere Dächer. Für kleine Einfamilienhäuser ist sie weniger relevant - aber auch hier kann sie helfen, wenn das Dach sehr groß oder unregelmäßig geformt ist.
Was gilt für Denkmalschutz und historische Gebäude?
Die größte Hürde bleibt der Denkmalschutz. In vielen Städten, besonders in Altstadtbereichen, dürfen Dächer nicht verändert werden - oder nur mit sehr strengen Auflagen. Die Solaranlage darf nicht sichtbar sein, darf nicht die Dachform verändern, darf nicht auf historischen Ziegeln montiert werden.
Das führt zu komplizierten Verfahren. Ein Hausbesitzer in Köln berichtete, dass seine Solaranlage für ein denkmalgeschütztes Dach 14 Wochen Genehmigungszeit brauchte - weil das Amt nicht wusste, wie man mit modernen Solarmodulen umgeht. Die Lösung? In manchen Fällen werden integrierte Solardächer (BIPV) akzeptiert - also Module, die wie Ziegel aussehen. Andere nutzen die Fassade statt des Daches - wenn das möglich ist.
Wichtig: Der Denkmalschutz hat Vorrang vor der Solarpflicht. Aber das heißt nicht, dass Sie gar nichts tun können. Sprechen Sie früh mit dem Denkmalamt - nicht erst, wenn der Bauantrag schon eingereicht ist.
Was passiert, wenn Sie die Regelungen ignorieren?
Niemand kommt mit einem Kontrollauto vorbei und prüft, ob Sie eine Solaranlage haben. Aber es gibt zwei Wege, wie Sie erwischt werden: Erstens, bei der Bauabnahme. Das Bauamt prüft, ob alle Vorschriften erfüllt sind - und ohne Solaranlage wird die Abnahme verweigert. Zweitens, bei der Verkaufsanfrage. Wenn Sie Ihr Haus später verkaufen, muss der Käufer wissen, ob die Solarpflicht erfüllt ist. Wenn nicht, kann er den Kauf stornieren oder einen Preisabschlag verlangen.
Und: Die Anlage muss im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registriert werden. Das ist die offizielle Datenbank für alle Solaranlagen in Deutschland. Wer das nicht macht, bekommt keine Einspeisevergütung - und kann nicht nachweisen, dass er die Pflicht erfüllt hat.
Was Sie jetzt tun müssen
Wenn Sie 2025 ein Haus bauen oder sanieren, dann müssen Sie drei Schritte machen:
- Prüfen Sie Ihre Bundesland-Vorschrift. Suchen Sie nicht nach „Solarpflicht Deutschland“ - sondern nach „Bauordnung [Ihr Bundesland] 2025“. Die meisten Bauämter haben das auf ihrer Website veröffentlicht.
- Planen Sie früh mit dem Installateur. Lassen Sie sich nicht von einem Generalisten beraten. Suchen Sie einen Spezialisten für Photovoltaik und Bauvorschriften. Er weiß, was PV-ready bedeutet, wie die Dachlast berechnet wird und wo der Kabelschacht hin muss.
- Registrieren Sie die Anlage. Nach der Installation muss sie im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen werden. Das ist kein Bonus - das ist Voraussetzung. Ohne Registrierung ist Ihre Anlage rechtlich nicht gültig.
Und vergessen Sie nicht: Eine Solaranlage erhöht den Wert Ihrer Immobilie. Studien zeigen, dass Häuser mit Photovoltaik bis zu 10 Prozent mehr wert sind als solche ohne. Das ist kein Marketing-Gimmick - das ist Realität auf dem Wohnungsmarkt.
Warum viele Hausbesitzer trotzdem zögern
Die größte Hürde ist nicht das Gesetz - sondern die Unsicherheit. Viele Bauherren hören: „Das ist kompliziert.“ „Die Behörden sind überfordert.“ „Ich weiß nicht, ob mein Dach das trägt.“
Das ist teilweise wahr. In manchen Kommunen sind die Mitarbeiter im Bauamt nicht ausreichend geschult. Die Regelungen sind unterschiedlich. Die Dokumentation ist uneinheitlich. Aber das ändert nichts an der Tatsache: Die Solarpflicht ist da. Und wer jetzt nicht handelt, zahlt später mehr.
Ein Hausbesitzer aus Hannover, der im März 2025 seine Anlage installierte, sagte: „Ich dachte, ich könnte das später machen. Jetzt weiß ich: Wer heute baut, muss heute denken - nicht morgen.“
Was kommt als Nächstes?
Die Bundesregierung prüft gerade eine bundesweite Solarpflicht für alle Neubauten - voraussichtlich ab 2026. Das würde die derzeitige Flickschusterei aus 16 verschiedenen Regelungen beenden. Aber bis dahin bleibt die Verantwortung bei Ihnen - und bei Ihrem Bundesland.
Die Energiewende wird nicht durch Gesetze allein geschafft. Sie wird durch Menschen geschafft, die wissen, was sie tun müssen - und es tun. Ihr Dach ist jetzt Teil dieses Systems. Machen Sie es richtig - und es wird Ihnen über viele Jahre hinweg Geld sparen, Energie liefern und Ihren Immobilienwert sichern.