Schimmelbefall in Immobilien prüfen: Versteckte Quellen aufspüren - So finden Sie die unsichtbare Gefahr

Wenn Sie in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus einen leichten modrigen Geruch bemerken, aber keinen sichtbaren Schimmel sehen, sollten Sie nicht einfach hoffen, dass er verschwindet. In 85 % aller Fälle liegt der wahre Schimmelbefall hinter Wänden, unter Fußböden oder in Dachkonstruktionen - unsichtbar, aber gefährlich. Diese versteckten Quellen wachsen langsam, aber stetig, und zerstören nicht nur die Bausubstanz, sondern belasten auch Ihre Gesundheit mit Sporen, die Atemwegserkrankungen, Allergien und Müdigkeit auslösen können.

Warum versteckter Schimmel so gefährlich ist

Schimmel braucht drei Dinge, um zu wachsen: Feuchtigkeit, Nährstoffe und eine passende Temperatur. In modernen Gebäuden, besonders nach energetischen Sanierungen, entstehen oft unerwartete Feuchtigkeitsfallen. Eine gedämmte Außenwand, die nicht richtig abgedichtet wurde, kann Wasser von außen aufnehmen - und es bleibt dort, weil die Luft nicht mehr zirkulieren kann. Ein versteckter Leckage in der Dachrinne oder eine undichte Fensterfuge im 3. Stock? Das Wasser läuft den Putz herunter, trocknet nicht ab, und nach sechs Monaten wächst Schimmel hinter der Tapete - ohne dass Sie etwas merken.

Doch das Problem ist nicht nur die Sichtbarkeit. Viele Hausbesitzer greifen zu billigen Teststreifen aus dem Baumarkt, die nur sagen: „Da ist was“. Aber sie können nicht unterscheiden, ob es sich um harmlosen Schimmel oder den giftigen Stachybotrys chartarum handelt. Und sie messen nicht, wie viel Sporen in der Luft sind. Ein Teststreifen mit einem braunen Fleck sagt Ihnen nichts über die Gesundheitsgefährdung. Erst eine professionelle Diagnostik zeigt, ob Sie wirklich in Gefahr sind.

Die drei Säulen der professionellen Schimmeluntersuchung

Ein seriöser Schimmelsachverständiger arbeitet nicht mit einem einzigen Gerät, sondern mit einem ganzheitlichen Ansatz. Drei Methoden gehören dazu - und nur ihre Kombination ergibt ein klares Bild.

  • Visuelle Inspektion und Feuchtigkeitsmessung: Der Experte geht durch alle Räume und prüft Wände, Ecken, Fensterbänke, Fußböden und Decken. Mit kapazitiven Feuchtigkeitsmessgeräten misst er bis zu 4 cm tief in Putz, Beton oder Holz. Ein Wert über 16 % Feuchtigkeit im Baumaterial ist ein Warnsignal - besonders wenn er sich über mehrere Quadratmeter erstreckt.
  • Raumluftanalyse: In jedem Raum werden mindestens drei Luftproben entnommen - jeweils 1,5 Meter über dem Boden und mindestens 50 cm von Wänden entfernt. Die Proben werden im Labor gezählt: Wie viele Sporen pro Kubikmeter Luft sind da? Über 1.000 KBE/m³ (koloniebildende Einheiten) gilt als kritisch. Bei gesunden Räumen liegt der Wert unter 500 KBE/m³. Diese Messung zeigt, ob die Luft zum Atmen noch sicher ist.
  • Thermografie und Materialproben: Eine Wärmebildkamera zeigt kalte Stellen an Wänden - und wo es kalt ist, kondensiert Feuchtigkeit. Das ist kein direkter Schimmelnachweis, aber ein starkes Indiz. Wenn die Thermografie eine Problemzone anzeigt, wird dort eine kleine Probe entnommen: ein Abklatsch mit einem Nährmedium, der nach 5-7 Tagen im Labor zeigt, welche Pilzarten wachsen. Das ist der einzige Weg, um zu wissen, ob es sich um einen allergenen Schimmel handelt.

Was Sie mit Heimtests wirklich erreichen

Es gibt viele Schimmel-Schnelltests im Handel - von Checknatura, MELA oder anderen Anbietern. Sie kosten zwischen 40 und 80 Euro und versprechen „Ergebnisse in 7 Tagen“. Was sie wirklich leisten? Sie geben Ihnen eine erste Orientierung. Wenn Sie zehn Nährböden in verschiedenen Räumen aufstellen und nach einer Woche überall grüne oder schwarze Flecken sehen, ist das ein klares Signal: Es ist Zeit, einen Profi zu holen.

Aber hier ist die Wahrheit: Diese Tests sind keine Diagnose. Sie sagen nicht, wie viel Schimmel da ist. Sie sagen nicht, ob er giftig ist. Und sie sagen nicht, woher die Feuchtigkeit kommt. Sie sind wie ein Warnlicht im Auto - es leuchtet, aber Sie wissen nicht, ob es an der Bremsflüssigkeit, dem Luftfilter oder dem Öldruck liegt. Ohne die richtige Diagnose können Sie nicht sanieren. Und ohne Sanierung bleibt das Problem.

Professioneller Prüfer mit Wärmebildkamera an einer Wand, Temperaturunterschiede als Farbverläufe sichtbar.

Warum Thermografie allein nicht reicht

Viele Hausbesitzer denken: „Ich mache eine Wärmebildaufnahme, und schon sehe ich den Schimmel.“ Das ist ein gefährlicher Irrtum. Eine Thermografie zeigt nur Temperaturunterschiede. Und die können viele Ursachen haben: ein Kabelkanal, ein Luftzug, eine falsch installierte Dämmung, sogar ein Heizkörper hinter der Wand.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Schimmelsanierung (2022) erreicht Thermografie allein nur eine Trefferquote von 40-50 % bei Schimmelbefall. Aber kombiniert mit Feuchtigkeitsmessung steigt die Genauigkeit auf 75-80 %. Das ist der Unterschied zwischen einem Ratschlag und einer sicheren Diagnose. Wer nur Thermografie nutzt, riskiert, dass er eine Stelle aufbricht - und nichts findet. Oder umgekehrt: Er übersehen eine echte Gefahr, weil sie nicht „kalt“ war.

Die teuerste, aber effektivste Methode: Schimmel-Spürhunde

In den USA und in einigen deutschen Großstädten wie München oder Hamburg werden immer öfter Schimmel-Spürhunde eingesetzt. Diese Hunde sind auf den Geruch von Schimmelsporen trainiert - und sie können sie in Wänden, unter Fliesen oder hinter Möbeln erschnüffeln. Ihre Trefferquote liegt bei 95 %.

Das klingt wie Science-Fiction, ist aber Realität. Ein Einsatz kostet zwischen 300 und 500 Euro - und ist oft nicht versichert. Aber wenn Sie eine alte Villa haben, mehrere Räume mit Verdacht und keine Ahnung, wo anfangen, kann es sich lohnen. Ein Hund spürt in 20 Minuten auf, was ein Mensch mit Messgeräten drei Tage braucht. Er zeigt Ihnen genau die Stelle, an der Sie aufbrechen müssen. Kein Bohren, kein Zerstören - nur dort, wo es nötig ist.

Schimmel-Spürhund konzentriert auf eine Wandstelle hinter einem Bücherregal, Besitzer beobachtet gespannt.

Was nach der Untersuchung kommt - und warum die Kontrolle wichtig ist

Wenn der Schimmel gefunden ist, folgt die Sanierung. Aber hier hören viele auf. Und das ist der größte Fehler. Studien der TU München zeigen: In 30 % der Fälle kehrt der Schimmel zurück - nicht weil die Sanierung schlecht war, sondern weil keine Erfolgskontrolle stattfand.

Nach der Sanierung muss die Luft erneut gemessen werden. Und zwar mindestens 30 Tage später. Warum? Weil Schimmelsporen sich nicht sofort verflüchtigen. Sie bleiben in Polstern, Teppichen oder Holz zurück. Erst nach einem Monat zeigt die Luftanalyse, ob die Luft wirklich sauber ist. Ohne diese Kontrolle haben Sie keine Sicherheit. Und ohne Dokumentation haben Sie keine Grundlage für eine Versicherung.

In Deutschland zahlt die Gebäudeversicherung nur, wenn der Schimmel durch einen plötzlichen Wasserschaden entstanden ist - etwa durch eine gebrochene Leitung. Wenn er durch langsame Feuchtigkeit entstanden ist - etwa durch schlechte Lüftung oder Baufehler - dann zahlt die Versicherung meist nichts. Deshalb: Alles dokumentieren. Fotos, Messwerte, Gutachten. Alles. Sonst sind Sie aufgeschmissen.

Der Trend: Schimmel im Energiekonzept

Seit 2022 fördert die Deutsche Energie-Agentur (dena) Pilotprojekte, die Schimmelrisiken in Energieberatungen integrieren. Warum? Weil 68 % aller Schimmelschäden mit energetischen Sanierungen zusammenhängen. Wer die Fassade dämmt, aber die Lüftung nicht anpasst, schafft eine Feuchtefalle. Wer Fenster austauscht, aber keine mechanische Lüftung einbaut, sorgt dafür, dass die Luft nicht mehr ausgetauscht wird.

Das bedeutet: Wer heute ein Haus sanieren will, muss Schimmelprävention mit einplanen. Ein guter Energieberater fragt heute nicht nur nach dem U-Wert der Dämmung, sondern auch nach der Luftwechselrate. Und wenn er keine Antwort hat, ist das ein Warnsignal.

Was Sie jetzt tun können

Wenn Sie Verdacht haben:

  1. Notieren Sie, wo der Geruch ist - und wann er stärker wird (z. B. nach dem Duschen oder morgens).
  2. Messen Sie mit einem einfachen Feuchtigkeitsmessgerät (ab 50 €) an Wänden, besonders in Badezimmern, Küchen und Kellerwänden.
  3. Setzen Sie einen Heimtest (z. B. Checknatura) in drei Räumen aus - aber erwarten Sie keine Diagnose.
  4. Wenn der Geruch bleibt oder die Messwerte über 16 % liegen: Holen Sie einen zertifizierten Schimmelsachverständigen. Suchen Sie nach Mitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter.
  5. Verlangen Sie ein schriftliches Gutachten mit allen Messwerten, Bildern und einer klaren Empfehlung.
  6. Und nach der Sanierung: Lassen Sie die Luft erneut messen. Das ist kein Luxus. Das ist Ihre Sicherheit.

Schimmel ist kein „Schönheitsproblem“. Er ist ein bauliches und gesundheitliches Risiko - und er versteckt sich gut. Wer ihn früh erkennt, spart Tausende Euro und schützt seine Familie. Wer ihn ignoriert, riskiert langfristig Gesundheit, Wert und Ruhe.

Personenkommentare

  • Ernst Hörburger
    Ernst Hörburger Januar 31, 2026 AT 05:08

    Ich hab’s selbst erlebt: nach der Dämmung war der Geruch da-aber keiner wusste warum. Erst die Thermografie hat eine kalte Stelle hinter dem Schrank gezeigt. Dann hat ein Sachverständiger mit Feuchtigkeitsmesser und Probe entdeckt: Schimmel unter der Tapete, seit zwei Jahren. Kein Wasserleck, nur falsche Luftzirkulation. Wer denkt, Dämmung ist immer gut, irrt sich. Man muss’s richtig machen-sonst wird’s zur Zeitbombe.

  • Lele Meier
    Lele Meier Februar 2, 2026 AT 01:06

    Oh mein Gott, ich dachte, der Geruch kommt vom alten Teppich… 😅 Hab gestern einen Teststreifen von Checknatura hingelegt-und heute schon ein bisschen grün. Bin jetzt total verunsichert. Wer hat Erfahrung mit Spürhunden? Die klingen wie aus einem Film!

  • Stephan Schilli
    Stephan Schilli Februar 2, 2026 AT 13:24

    Spürhunde? JA! Mein Nachbar hat einen in Hamburg engagiert-der hat in 15 Minuten den Schimmel hinter der Küchenwand gefunden, wo der Installateur vor 8 Jahren eine Leitung verlegt hat. Kein Bohren, kein Chaos-nur ein bisschen wedeln mit dem Schwanz und: BINGO! Das ist Zukunft. Und ja, 500 Euro sind teuer-aber was ist deine Gesundheit wert? 🤔

  • Petra Feil
    Petra Feil Februar 3, 2026 AT 02:50

    Ich hab den Schimmel nicht gesehen… aber ich hab ihn gefühlt. Jeden Morgen, wenn ich aufwache-schwerer Kopf, trockene Kehle, Müdigkeit wie nach einer Woche Flugreise. Kein Arzt konnte was finden. Erst als ich die Luftmessung machen ließ-1.200 KBE/m³. Ich hab geweint. Nicht wegen des Schimmels. Sondern weil ich dachte, es liegt an mir.

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