Ein Haus zu renovieren klingt nach einem Traum: neue Fenster, eine moderne Heizung, ein frisch gedämmtes Dach. Doch sobald die ersten Bohrer laufen, beginnt oft ein anderes Spiel: die Überraschungen. Die versteckten Kosten bei Renovierungen sind kein Mythos - sie sind Realität. Laut Immobilienscout24 liegen sie bei bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten, besonders bei Altbauten. Viele Hausbesitzer rechnen mit 500 Euro pro Quadratmeter - und landen bei 700, 900 oder sogar mehr. Warum? Weil sie nicht wissen, was wirklich dahintersteckt.
Was sind eigentlich versteckte Kosten?
Versteckte Kosten sind Ausgaben, die nicht in der ursprünglichen Kostenschätzung enthalten sind. Sie tauchen erst auf, wenn die Wand abgebrochen ist, der Boden aufgebrochen oder das Dach abgedeckt wurde. Es sind nicht die teuren Dinge wie neue Fenster oder eine Heizung - die weiß man vorher. Es sind die Dinge, die niemand sieht, bis es zu spät ist: Schimmel hinter der Tapete, Asbest in der Dämmung, undichte Rohre im Keller, eine statisch schwache Decke, die plötzlich nachgibt. Diese Kosten sind nicht nur unangenehm - sie können das gesamte Budget sprengen.Die fünf größten Kostenfallen - und wie Sie sie vermeiden
- Asbest und andere Schadstoffe: In Häusern gebaut vor 1995 ist Asbest fast überall zu finden - in Dämmplatten, Bodenbelägen, Klebern, Dachziegeln. Die Entsorgung ist teuer: Allein die sichere Abfuhr und Sondermüll-Entsorgung kann 10.000 bis 15.000 Euro kosten. Ein Nutzer auf Reddit musste nach der Entdeckung von Asbest in seiner Dachdämmung 15.000 Euro mehr zahlen - das war die Hälfte seines gesamten Renovierungsbudgets.
- Feuchtigkeitsschäden: Aufsteigende Feuchtigkeit im Keller oder an Außenwänden ist eine der häufigsten Überraschungen. Die Sanierung kostet zwischen 100 und 500 Euro pro laufendem Meter Wand. Ein Keller mit 20 Metern Umfang kann schnell 8.000 bis 10.000 Euro kosten - und das ohne neue Bodenfliesen oder Wandfarbe. Oft wird das Problem erst sichtbar, wenn Schimmel an den Wänden wächst oder die Tapete abfällt.
- Versteckte Leitungen: Alte Wasser-, Gas- oder Elektroleitungen sind oft verlegt, wo man sie nicht erwartet. Beim Austausch der Heizung kann sich herausstellen, dass die Rohre aus Blei sind - und komplett ersetzt werden müssen. In einem 100 Quadratmeter großen Haus liegen die Materialkosten für neue Kunststoffrohre bei 3.000 bis 4.000 Euro. Die Arbeitskosten für das Aufbrechen der Wände und das Wiederverschließen kommen extra dazu - oft 5.000 Euro oder mehr.
- Statik und Tragwerke: Ein Haus aus den 60er-Jahren mag stabil wirken - aber die Deckenlasten wurden damals anders berechnet. Wer eine neue Küche mit schweren Steinplatten einbauen will, könnte feststellen, dass die Decke nicht trägt. Eine Sanierung der Geschossdecke kostet 20 bis 50 Euro pro Quadratmeter - je nachdem, ob sie begehbar ist oder nicht. Bei einem 120 Quadratmeter großen Wohnbereich sind das 2.400 bis 6.000 Euro, die nicht in der ursprünglichen Planung standen.
- Nebenkosten, die niemand erwähnt: Gerüste, Abtransport von Bauschutt, Baustrom, Baustellencontainer, Abdeckplanen, Schutzfolien - das sind alles Dinge, die nicht im Angebot stehen, aber zwingend nötig sind. Ein Handwerker, der 20.000 Euro für eine Fassadendämmung anbietet, könnte am Ende 3.000 Euro mehr verlangen, weil er die Gerüstkosten extra berechnet. Wer ein Angebot mit „Rundumleistung“ wählt, spart später oft mehr, als er zu Beginn zu zahlen glaubt.
Warum Altbauten so viel teurer sind
Ein Haus aus den 70ern ist nicht nur älter - es ist ein Risiko. Die Bauvorschriften damals waren lockerer. Die Materialien waren billiger, aber auch weniger haltbar. Die Dämmung war oft nur ein Ziegel, die Rohre aus Gusseisen, die Fenster einfach Holz mit Einzelscheiben. Heute müssen diese Dinge nach modernen Standards ersetzt werden - und das kostet. Laut Handelsblatt sind 65 Prozent der Hausbesitzer überrascht, wie viel mehr sie ausgeben als geplant. Besonders bei Altbauten ist ein Puffer von 10 bis 15 Prozent der Kaufpreissumme nötig. Wer ein Haus für 250.000 Euro gekauft hat, sollte mindestens 25.000 bis 37.500 Euro für unvorhergesehene Schäden einplanen - egal was der Makler sagt.
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) - eine unsichtbare Kostenfalle
Seit dem 1. November 2023 gilt das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Es verlangt, dass bei einem Eigentümerwechsel bestimmte Sanierungen nachgeholt werden müssen - vor allem die Dämmung der obersten Geschossdecke und die Erneuerung der Heizung. Das ist kein Bonus - das ist eine Pflicht. Und sie kommt oft unerwartet. Wer ein Haus kauft, das seit 20 Jahren nicht renoviert wurde, muss möglicherweise sofort 30.000 Euro investieren, nur um den Verkauf abzuschließen. Die Bundesregierung hat diese Regelung eingeführt, um den CO2-Ausstoß zu senken. Für den neuen Besitzer bedeutet das: Ein günstiges Angebot kann schnell zur finanziellen Falle werden.Förderung - ein Rettungsanker, wenn man sie richtig nutzt
Nicht alles ist dunkel. Es gibt Förderungen - aber nur, wenn man sie richtig anfragt. Seit August 2024 kann man bis zu 50 Prozent der Kosten für einen zertifizierten Energieberater erstatten - maximal 650 Euro. Ohne diesen Berater ist die Förderung für die Sanierung auf 30.000 Euro begrenzt. Mit ihm kann man bis zu 60.000 Euro fördern lassen. Das ist eine Ersparnis von bis zu 9.000 Euro. Die KfW hat ihre Förderung ab März 2025 sogar auf 70 Prozent erhöht - aber nur für energieeffiziente Sanierungen, die den aktuellen KfW-Standard erfüllen. Wer nicht plant, verliert Geld. Wer den Energieberater erst nach dem Bohren holt, verliert die Förderung.Wie Sie Ihr Budget wirklich realistisch planen
- Erstellen Sie eine detaillierte Liste: Notieren Sie alles, was Sie tun wollen - und dann alles, was schiefgehen könnte. Fügen Sie Schadstoffe, Feuchtigkeit, Statik, Leitungen und Nebenkosten hinzu.
- Rechnen Sie mit 20 bis 30 Prozent Puffer: Das ist nicht übertrieben - das ist realistisch. Wenn Sie 100.000 Euro einplanen, haben Sie 20.000 bis 30.000 Euro für Überraschungen. Wer das nicht macht, zahlt später mit Zinsen und Nachfinanzierungen.
- Holen Sie einen Energieberater vorher: Lassen Sie das Haus prüfen, bevor Sie den ersten Bohrer ansetzen. Das kostet 500 bis 800 Euro - aber spart Ihnen später 10.000 Euro.
- Wählen Sie Handwerker mit Rundumleistung: Ein teurerer Anbieter, der alles inklusive Gerüst, Abtransport und Entsorgung anbietet, ist oft günstiger als der billige, der alles extra berechnet.
- Planen Sie in der richtigen Reihenfolge: Zuerst die Dämmung, dann die Fenster, dann die Heizung. Wer zuerst die Küche modernisiert und danach die Dämmung macht, muss alles wieder aufbrechen - und zahlt doppelt.
Was passiert, wenn Sie nichts tun?
Viele Hausbesitzer hoffen, dass die Probleme von alleine verschwinden. Sie reparieren nur die sichtbaren Schäden - die Wand mit Schimmel wird neu gestrichen, die undichte Leitung wird abgedichtet. Aber die Ursache bleibt. Der Schimmel kehrt zurück. Die Feuchtigkeit frisst die Balken. Die Heizkosten steigen. Laut der Initiative Haus&Grund werden die Sanierungspflichten ab 2026 noch strenger - und die Kosten steigen dann um weitere 15 Prozent. Wer jetzt nichts tut, zahlt später doppelt. Und vielleicht auch mit einem Haus, das schwer zu verkaufen ist.Was andere Hausbesitzer erlebt haben
Ein Nutzer auf Immobilienforum musste 8.500 Euro für eine neue Kellerabdichtung ausgeben - nachdem er gedacht hatte, dass nur die Wände gestrichen werden müssen. Ein anderer fand heraus, dass seine Fenster aus den 80ern nicht mehr den heutigen Wärmeschutzstandards entsprechen - und musste 18.000 Euro nachzahlen, weil er den Energieberater nicht konsultiert hatte. Auf Trustpilot gaben 78 Prozent der negativen Bewertungen an: „Ungenaue Kostenschätzungen“. Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis von zu wenig Planung.Was Sie jetzt tun sollten
Wenn Sie planen, Ihr Haus zu renovieren:- Legen Sie ein Budget fest - und verdoppeln Sie es für den Puffer.
- Buchen Sie einen zertifizierten Energieberater - nicht nach, sondern vor dem ersten Bohrer.
- Prüfen Sie, ob Ihr Haus Schadstoffe enthält - besonders Asbest und Blei.
- Vermeiden Sie Angebote, die zu gut klingen. Der billigste Handwerker ist oft der teuerste.
- Denken Sie nicht nur an die Kosten - denken Sie an die Folgen, wenn Sie nichts tun.
Renovieren ist kein Luxus - es ist eine Investition. Aber nur, wenn Sie es richtig machen. Wer die versteckten Kosten kennt, plant sicher. Wer sie ignoriert, zahlt doppelt - und leidet länger.
Wie viel Puffer sollte ich für versteckte Kosten einplanen?
Planen Sie mindestens 20 bis 30 Prozent des Gesamtbudgets als Puffer ein - besonders bei Altbauten. Bei einer Renovierung mit 100.000 Euro Budget sollten Sie also 20.000 bis 30.000 Euro für unvorhergesehene Ausgaben bereithalten. Wer nur 10 Prozent einplant, läuft Gefahr, später nachzufinanzieren oder die Sanierung abzubrechen.
Kann ich die Kosten für einen Energieberater erstatten?
Ja. Seit August 2024 können Sie bis zu 50 Prozent der Kosten für einen zertifizierten Energieberater erstatten - maximal 650 Euro. Diese Förderung ist unabhängig von anderen Sanierungsmaßnahmen. Ohne diesen Berater ist die Förderung für die Sanierung auf 30.000 Euro begrenzt - mit ihm können Sie bis zu 60.000 Euro fördern lassen.
Wann muss ich das Gebäudeenergiegesetz (GEG) einhalten?
Das GEG gilt ab dem 1. November 2023 - und tritt bei jedem Eigentümerwechsel in Kraft. Wenn Sie ein Haus kaufen, das nicht den aktuellen Energiestandards entspricht, müssen Sie bestimmte Sanierungen nachholen, bevor Sie den Kauf abschließen können. Das betrifft vor allem die Dämmung der obersten Geschossdecke und die Erneuerung der Heizung. Auch bestehende Eigentümer müssen diese Maßnahmen in den nächsten Jahren nachholen - je nach Alter des Gebäudes.
Was kostet die Entfernung von Asbest?
Die Kosten für die sichere Entfernung und Entsorgung von Asbest liegen zwischen 10.000 und 20.000 Euro, je nach Menge und Lage. Ein kleiner Bereich wie eine Dachdämmung kann 15.000 Euro kosten, eine vollständige Sanierung von Wänden und Bodenbelägen leicht doppelt so viel. Die Arbeiten dürfen nur von zertifizierten Fachbetrieben durchgeführt werden - und müssen bei der Behörde gemeldet werden.
Sind Förderungen für Sanierungen immer verfügbar?
Nein. Die Förderung durch die KfW ist begrenzt und unterliegt jährlichen Anpassungen. Seit März 2025 beträgt die maximale Förderung 70 Prozent - aber nur für Sanierungen, die den neuesten KfW-Standard erfüllen. Die Anträge müssen vor Beginn der Arbeiten gestellt werden. Wer erst nach dem Bohren einen Antrag stellt, erhält keine Förderung. Auch die Höhe der Förderung hängt vom Energieberater ab - ohne ihn gibt es keine Förderung.