Wenn Regen gegen die Fassade prasselt, dringt Wasser nicht einfach so ein - es gibt Regeln, wie stark das passieren kann, und wie man es stoppt. Besonders an der Wetterseite - also der Seite, die dem Wind und Regen direkt ausgesetzt ist - braucht jede Fassade gezielten Schutz. Das ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, um Feuchtigkeitsschäden, Schimmel und sogar strukturelle Schwächen zu vermeiden. In Österreich, besonders in Linz und entlang der Alpen, ist die Belastung durch Schlagregen oft höher, als viele denken. Doch nicht jede Fassade braucht denselben Schutz. Es geht nicht nur um mehr Farbe oder dickere Dämmung. Es geht um das richtige System - und den richtigen Anstrich.
Was ist eigentlich die Wetterseite?
Die Wetterseite ist nicht einfach die Seite, die am meisten Sonne abbekommt. Sie ist die Seite, die am stärksten vom Wind und Regen getroffen wird. In Mitteleuropa, inklusive Österreich, sind das meistens die Fassaden nach Südwesten, Westen oder Nordwesten. Warum? Weil die häufigsten Windrichtungen von West und Südwest kommen. Ein Haus mit großer Westfassade in Linz, am Ufer der Donau, ist da ein klassisches Beispiel. Dort trifft der Regen nicht nur senkrecht auf die Wand - er wird vom Wind mitgerissen, schlägt fast waagerecht dagegen. Das ist kein harmabler Nieselregen. Das ist ein starker, drückender Strahl, der in Ritzen, Fugen und poröse Putze eindringt. Und das passiert Jahr für Jahr, ohne dass man es sieht - bis der Putz abblättert, der Ziegel bricht oder der Innenaufbau feucht wird.DIN 4108-3: Die drei Klassen der Schlagregenbelastung
In Deutschland und Österreich gilt die Norm DIN 4108-3 als Maßstab. Sie teilt die Schlagregenbelastung in drei Gruppen ein. Das ist nicht irgendeine Bürokratie. Das ist die Grundlage für jede sinnvolle Fassadensanierung.- Beanspruchungsgruppe I: Geringe Belastung. Hier fallen weniger als 600 Millimeter Niederschlag pro Jahr, und die Fassade ist windgeschützt - etwa durch Bäume, Nachbargebäude oder eine tiefe Lage. In vielen Vororten von Linz oder in geschützten Tälern gilt das. Ein einfacher Silikatputz reicht oft.
- Beanspruchungsgruppe II: Mittlere Belastung. 600 bis 800 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Das ist typisch für viele Stadthäuser in Oberösterreich, besonders wenn sie exponiert stehen, aber nicht direkt am Berg. Auch Hochhäuser in dieser Zone fallen hierher. Hier braucht man schon einen widerstandsfähigeren Anstrich - etwa Silikonharz oder Mineralputz mit erhöhter Dichtigkeit.
- Beanspruchungsgruppe III: Starke Belastung. Mehr als 800 Millimeter Niederschlag oder starke Winde, selbst bei weniger Regen. Das trifft auf Alpenvorland, Küstenregionen und exponierte Lagen zu. In den Hügeln oberhalb von Linz, an der Grenze zum Innviertel, ist das Alltag. Hier reicht kein normaler Putz mehr. Es braucht Systeme mit speziellen Abdichtungen, Rillen, Überdachungen und Anstrichen, die nicht nur wasserabweisend, sondern auch elastisch sind.
Diese Klassifizierung ist kein Vorschlag - sie ist Pflicht bei Sanierungen. Wer sie ignoriert, baut sich einen teuren Fehler ein.
Systeme statt Zufall: Was funktioniert wirklich?
Schlagregenschutz funktioniert nicht durch Zufall. Es gibt drei bewährte Systeme, die sich in der Praxis bewährt haben.- Offene Fassaden mit Abstand: Das ist der Klassiker - eine Fassade mit Luftspalt zwischen Dämmung und Putz. Der Regen trifft auf den Putz, tropft ab, und die Feuchtigkeit kann im Spalt trocknen. Das funktioniert nur, wenn die Dämmung richtig verlegt ist und der Putz nicht zu dicht ist. Ein zu dichter Putz hält das Wasser zurück - und es staut sich hinter der Fassade. Das ist der größte Fehler bei vielen Sanierungen.
- Wasserdichte Schichten mit Drainage: Bei stark belasteten Fassaden (Gruppe III) wird oft eine zusätzliche Abdichtungsschicht unter dem Putz eingebaut. Das ist kein gewöhnlicher Dämmschichtaufbau. Das ist eine spezielle Membran, die Wasser nach außen leitet, aber nicht nach innen lässt. Dazu kommt ein Drainagesystem, das das Wasser nach unten abführt. Das ist teurer, aber bei Hochhäusern oder Häusern mit großen Glasflächen unverzichtbar.
- Wasserdichte Anstriche mit Kapillarwirkung: Hier geht es nicht um eine dicke Schicht, sondern um die richtige Chemie. Silikonharz-Anstriche sind elastisch, lassen Wasserdampf entweichen, aber blockieren flüssiges Wasser. Sie sind ideal für historische Fassaden, die nicht abgerissen werden dürfen. Mineralische Anstriche mit Kieselsäure binden sich fest an den Putz und werden mit der Zeit selbst zum Schutz. Beide Systeme funktionieren nur, wenn der Untergrund trocken und fest ist.
Ein Anstrich allein reicht nicht. Ein System braucht mehrere Teile, die zusammenpassen. Ein wasserdichter Anstrich auf einem feuchten Putz? Das ist wie ein Regenschirm, der von innen undicht ist - er hilft nicht.
Anstriche im Vergleich: Was hält länger?
| Anstrichtyp | Wasserabweisend | Dampfdurchlässig | Elastizität | Haltbarkeit | Beste für |
|---|---|---|---|---|---|
| Mineralputz (Kalk-/Silikatputz) | mittel | hoch | gering | 15-25 Jahre | Gruppe I und II, historische Fassaden |
| Silikonharz-Anstrich | hoch | hoch | hoch | 20-30 Jahre | Gruppe II und III, exponierte Lagen |
| Acrylat-Anstrich | mittel | mittel | mittel | 8-15 Jahre | Gruppe I, geringe Belastung |
| Wasserdichte Membran + Putz | sehr hoch | gering | mittel | 25+ Jahre | Gruppe III, Hochhäuser, Küsten |
Was du nicht sehen willst: Acrylat-Anstriche sind günstig, aber oft die falsche Wahl. Sie verhärten, reißen bei Temperaturschwankungen und halten nicht, wenn der Regen ständig von der Seite kommt. Silikonharz ist die bessere Investition - auch wenn es am Anfang mehr kostet. Es bleibt flexibel, atmet, und hält länger. Das spart langfristig Geld.
Was passiert, wenn du es nicht machst?
Viele Hausbesitzer warten, bis es sichtbar wird: Flecken an der Wand, feuchte Fenster, Schimmel in der Ecke. Doch die Schäden beginnen viel früher. Wasser dringt in den Putz ein, friert im Winter ein, dehnt sich aus und reißt die Struktur auf. Das führt zu Rissen, die dann noch mehr Wasser einlassen. Im Laufe von 5-10 Jahren wird die Dämmung feucht, ihre Wirkung verschwindet, und die Heizkosten steigen. Dann kommt der große Schaden: Feuchtigkeit erreicht die Holzkonstruktion - und das ist der Anfang vom Ende. Holz faul, Ziegel bröckeln, die Statik leidet. Die Reparatur kostet dann 5-10 Mal mehr als ein rechtzeitiger Schutz.In Linz und Umgebung gibt es schon Häuser, die nach 20 Jahren Sanierung wieder saniert werden müssen - nur weil der Schlagregenschutz damals falsch geplant wurde. Das ist vermeidbar.
Wie findest du heraus, welche Gruppe dein Haus hat?
Du musst nicht selbst messen. Aber du solltest wissen, wo du stehst.- Prüfe die Niederschlagsmenge deiner Region: Online-Tools der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zeigen Werte pro Ort.
- Beobachte deine Fassade: Wenn der Regen nach Westen oder Südwesten an der Wand abprallt und die Dachüberstände nicht ausreichen, ist das ein Warnsignal.
- Prüfe die Ausrichtung: Ein Haus mit großer Westfassade in einer offenen Lage ist fast immer Gruppe II oder III.
- Frage einen Fachmann: Ein Sanierungsberater mit DIN-4108-3-Kenntnissen kann die Belastung mit einem einfachen Werkzeug messen - ohne Aufwand.
Kein Haus ist wie das andere. Ein Haus in der Altstadt von Linz mit hohen Nachbarhäusern ist vielleicht Gruppe I. Ein Einfamilienhaus am Rand der Stadt, direkt am Hang, ist Gruppe III. Die Unterschiede sind groß - und entscheidend.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du gerade deine Fassade sanierst: Frage nach der Schlagregenbeanspruchungsgruppe. Nicht nach dem billigsten Anstrich. Nicht nach dem schönsten Farbton. Sondern nach dem System, das zur Lage passt. Wenn du schon eine Fassade hast, die feucht wird: Lass sie prüfen. Ein Feuchtigkeitsmessgerät zeigt, ob das Problem nur an der Oberfläche liegt - oder ob das Wasser schon tiefer ist.Schlagregenschutz ist kein Thema für den Frühling. Es ist ein Thema für das ganze Jahr. Und es ist nicht nur eine Frage der Optik. Es ist eine Frage der Sicherheit - deiner Wohnung, deiner Gesundheit und deines Geldbeutels.
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