Wenn die Dusche nur noch tröpfelt, der Wasserhahn im Waschbecken kaum noch Strahl liefert oder die Waschmaschine ständig wartet, bis genug Wasser nachkommt - dann ist der Wasserdruck zu niedrig. In vielen deutschen Häusern, besonders in Gebäuden vor 1990, ist das kein Einzelfall. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben gut 18% der Haushalte in alten Gebäuden mit Wasserdruckproblemen zu kämpfen. Doch das muss nicht sein. Oft reicht schon eine einfache Maßnahme, um den Druck wieder auf ein angenehmes Niveau zu bringen.
Was ist ein normaler Wasserdruck im Haus?
Ein guter Wasserdruck in Ihrer Hausinstallation liegt zwischen 2,0 und 4,0 bar. Das ist nicht nur angenehm für die Dusche oder das Spülen, sondern auch notwendig, damit moderne Geräte wie Geschirrspüler oder Waschmaschinen richtig funktionieren. Ab 1,5 bar beginnen diese Geräte, Probleme zu bekommen - sie laufen länger, verbrauchen mehr Strom und verschleißen schneller. Über 5,0 bar wird es gefährlich: Rohre können lecken, Dichtungen platzen, Armaturen beschädigt werden.
Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) schreibt in seiner Norm W 400-2:2006-11 vor, dass an jeder Entnahmestelle mindestens 1,0 bar vorhanden sein müssen. Das ist die gesetzliche Untergrenze. In der Praxis sollten Sie aber mindestens 2 bar anstreben. Wie messen Sie das? Ein einfaches Manometer, das Sie für unter 20 € im Baumarkt kaufen, zeigt Ihnen den Druck am Hauptwasserhahn - idealerweise vor dem Druckminderer.
Die häufigsten Ursachen für niedrigen Wasserdruck
Nicht jedes Problem ist ein Rohrbruch oder eine defekte Pumpe. Oft steckt etwas Einfaches dahinter - und das ist gut, denn das kostet wenig und lässt sich schnell lösen.
- Verkalkte Perlatoren und Duschköpfe: Das ist die Nummer eins. Kalk setzt sich in den kleinen Löchern der Wasserstrahler ab und blockiert den Durchfluss. In über 40% der Fälle, die SHK-Installateure untersuchen, ist genau das der Grund. Ein Duschkopf mit 20 Jahren Kalkansammlung kann den Durchfluss um bis zu 70% reduzieren.
- Falsch eingestellter Druckminderer: Viele Hausbesitzer versuchen, den Druckminderer selbst nachzustellen - oft mit schlechten Folgen. Ein zu niedriger Druck (unter 1,5 bar) führt zu Schwachfluss, ein zu hoher (über 4,5 bar) kann Leitungen und Armaturen beschädigen. In 22% der Fälle, die der SHK-Handwerksverband analysiert hat, war der Druckminderer nach einer Selbstjustierung die Ursache für neue Probleme.
- Veraltete Rohrleitungen: Häuser vor 1980 haben oft noch verzinkte Stahlrohre oder kupferne Leitungen mit kleinerem Innendurchmesser. Diese verkrusten mit der Zeit durch Kalk und Eisenoxid. In besonders alten Gebäuden kann der Innendurchmesser eines 15-mm-Rohrs auf unter 8 mm schrumpfen - das ist wie ein Schlauch, der durch eine Nadel gepresst wird.
- Undichte Leitungen oder Leckagen: Ein kleines Leck im Keller oder hinter der Wand kann den gesamten Druck im Haus senken. Es ist oft nicht sichtbar, aber der Wasserzähler dreht sich weiter, obwohl kein Wasser genutzt wird.
- Zu hohe Nutzung gleichzeitig: Wenn mehrere Entnahmestellen gleichzeitig laufen - Dusche, Waschmaschine, Spülmaschine - kann das Netz überlastet sein, besonders wenn die Leitungen zu klein oder die Pumpe zu schwach ist.
Die einfachste Lösung: Perlatoren reinigen
Bevor Sie irgendetwas teures kaufen oder einen Handwerker rufen - machen Sie das erste, was jeder Experte empfiehlt: Reinigen Sie die Perlatoren. Es kostet nichts, dauert 15 Minuten pro Armatur und löst das Problem in 74% der Fälle.
So geht’s:
- Stellen Sie das Wasser ab.
- Drehen Sie den Perlator (das Sieb am Ende des Hahns) mit einer Zange oder einem Schraubenschlüssel ab. Falls er feststeckt, ein Tuch umwickeln, um Kratzer zu vermeiden.
- Legen Sie ihn in eine Schüssel mit Essigessenz (1:1 mit Wasser). Lassen Sie ihn mindestens 2-4 Stunden einwirken. Bei starker Verkalkung über Nacht.
- Spülen Sie ihn gründlich mit klarem Wasser ab. Ein alter Zahnbürste hilft, Kalk aus den Löchern zu lösen.
- Schrauben Sie ihn wieder ein und drehen Sie das Wasser wieder auf.
Ein Nutzer auf der SHK-Community schrieb: „Nach monatelangem Kampf mit schwachem Duschdruck habe ich die Perlatoren gereinigt - Ergebnis: Druck sofort verdoppelt, ohne Kosten.“ Das ist kein Einzelfall.
Prüfen Sie den Druckminderer - aber nicht selbst justieren
Wenn alle Perlatoren sauber sind, aber der Druck immer noch niedrig ist, liegt das Problem wahrscheinlich am Hauptdruckminderer. Der steht meist im Keller oder in der Hauswirtschaft, direkt nach dem Hauptschalter. Er reduziert den Druck vom Wasserversorger (oft 5-6 bar) auf ein sicheres Niveau für Ihr Haus.
Ein Druckminderer von Wilo, Grundfos oder Honeywell ist ein zuverlässiges Gerät - aber er kann defekt sein oder falsch eingestellt sein. Wenn Sie ihn selbst verstellen, riskieren Sie Schäden. Ein zu hoher Druck führt dazu, dass Sicherheitsventile an Ihrem Warmwasserspeicher tropfen - und das ist ein Zeichen für Überdruck. Ein Nutzer berichtete: „Habe den Druckminderer auf 4 bar gestellt, jetzt tropft Wasser aus der Sicherheitsarmatur - teure Reparatur nötig.“
Die Lösung: Lassen Sie ihn von einem zertifizierten SHK-Installateur prüfen. Ein Profi misst den Druck vor und nach dem Minderer, prüft die Membran auf Risse und stellt ihn auf 2,5-3,0 bar ein - den optimalen Wert für die meisten Haushalte. Die Kosten dafür liegen bei 90-150 € pro Stunde, aber es ist Geld, das Sie sparen, wenn Sie keine Rohrleitungen beschädigen.
Systemweite Lösungen: Pumpen, Hauswasserwerke, Rohrsanierung
Wenn die ersten beiden Schritte nichts bringen, ist es Zeit, über technische Lösungen nachzudenken. Hier kommt es darauf an, wie groß Ihr Haus ist, wie alt die Leitungen sind und wie viele Menschen darin leben.
Druckerhöhungspumpe - die günstigste technische Lösung
Wenn der Druck nur generell zu niedrig ist, aber die Rohre noch in Ordnung sind, ist eine Druckerhöhungspumpe die einfachste Lösung. Modelle wie die Wilo-Yonos PICO oder die Grundfos UPA sind speziell für Einfamilienhäuser entwickelt. Sie werden nach dem Hauptwasserhahn installiert und erhöhen den Druck automatisch, wenn Wasser entnommen wird.
Ein Vorteil: Sie sind energieeffizient. Die Wilo-Yonos PICO verbraucht nur 15-25 € Strom pro Jahr. Die Anschaffung kostet ab 320 € (inkl. MwSt.), die Installation dauert 2-3 Stunden. Laut Stiftung Warentest (02/2024) sind 82% der Nutzer mit dem Ergebnis zufrieden - aber nur bei Markenprodukten. Billige No-Name-Pumpen haben in 65% der Fälle Schwankungen oder halten den Druck nicht konstant.
Hauswasserwerk - für größere Häuser oder Mehrfamilienhäuser
Wenn Sie ein größeres Haus mit mehreren Bädern haben oder oft mehrere Leitungen gleichzeitig nutzen, ist ein Hauswasserwerk die bessere Wahl. Es speichert Wasser in einem Druckbehälter und hält den Druck konstant, auch wenn Dusche, Waschmaschine und Spülmaschine gleichzeitig laufen.
Ein Hauswasserwerk kostet zwischen 500 und 2.500 €, je nach Leistung und Volumen des Druckbehälters (8-50 Liter). Die Installation ist aufwendiger - 6-8 Stunden - und braucht mehr Platz. Aber es ist die einzige Lösung, die auch bei hoher Nutzung stabil bleibt. Für Mehrfamilienhäuser ist es oft die einzige sinnvolle Option.
Rohrsanierung - die dauerhafte Lösung für alte Häuser
Wenn Ihr Haus vor 1990 gebaut wurde und die Rohre noch aus verzinktem Stahl oder Kupfer sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie stark verkalkt sind. In solchen Fällen helfen Pumpen nur temporär - die Kalkschicht wächst weiter, und der Druck sinkt erneut.
Experten wie Prof. Dr. Klaus Daniels von der TU München sagen: „Bei schwerer Verkalkung ist eine Rohrsanierung die einzige dauerhafte Lösung.“ Chemische Entkalkung bringt nur kurzfristige Besserung - in 62% der Fälle treten die Probleme innerhalb von 12 Monaten wieder auf.
Der Austausch der gesamten Wasserleitungen kostet nach ZVSHK-Angaben (2024) durchschnittlich 85-120 € pro Quadratmeter Wohnfläche. Klingt viel - aber es ist eine Investition in Komfort, Wasserersparnis und den Wert Ihres Hauses. Und: Seit April 2024 fördert die Bundesregierung mit der BEG-EM-Förderung bis zu 20% der Kosten (max. 500 €), wenn Sie energieeffiziente Systeme einbauen.
Was Sie jetzt tun sollten: Die 3-Schritt-Diagnose
Kein Haus ist wie das andere. Deshalb ist eine systematische Prüfung entscheidend. So gehen Sie vor:
- Prüfen Sie alle Entnahmestellen: Öffnen Sie gleichzeitig Dusche, Waschbecken und Spülbecken. Ist der Druck überall niedrig? Dann ist es ein Systemproblem. Ist er nur an einer Stelle schwach? Dann ist es der Perlator oder eine lokale Verstopfung.
- Messen Sie den Druck am Hauptanschluss: Schrauben Sie ein Manometer an den Hauptwasserhahn (vor dem Druckminderer). Wenn der Druck dort unter 2 bar liegt, ist der Versorger oder eine Leitung die Ursache. Liegt er über 4 bar, aber im Haus nur 1,5 bar? Dann ist der Druckminderer falsch eingestellt oder defekt.
- Reinigen Sie alle Perlatoren und Duschköpfe: Machen Sie es wie oben beschrieben. Das ist die billigste und effektivste Maßnahme - und sie löst das Problem in den meisten Fällen.
Wenn Sie nach diesen drei Schritten immer noch Probleme haben, rufen Sie einen zertifizierten SHK-Installateur. Er hat die richtigen Werkzeuge, um Leckagen zu finden, Druckminderer zu prüfen und die richtige Lösung zu empfehlen.
Was kommt als Nächstes: Intelligente Systeme und Zukunftstrends
Die Technik entwickelt sich weiter. Seit März 2024 gibt es die erste intelligente Druckerhöhungspumpe mit Bluetooth-App-Steuerung: die Wilo Yonos PICO eco. Sie überwacht den Druck in Echtzeit, passt ihn automatisch an und warnt, wenn etwas nicht stimmt. In den nächsten Jahren wird das Standard werden.
Die Bundesregierung fördert diese Innovationen - und die Marktforschung sagt: Bis 2030 werden über 70% der neuen Druckregelsysteme mit Smart-Home-Technik verbunden sein. Bosch und Wilo arbeiten bereits an einer gemeinsamen Lösung, die den Wasserdruck mit der Heizungssteuerung und dem Wasserverbrauch verknüpft.
Aber: Je komplexer die Systeme, desto anfälliger sind sie für Fehler. Prof. Dr. Michael Vogt von der TU Berlin warnt: „Komplexe Technik erhöht die Reparaturkosten - besonders für ältere Hausbesitzer.“ Deshalb: Bleiben Sie bei einfachen, bewährten Lösungen, solange sie funktionieren.
Wann ist ein Handwerker wirklich nötig?
Ein Installateur braucht nicht immer - aber er ist nötig, wenn:
- Der Druckminderer defekt ist oder falsch eingestellt wurde
- Leckagen vermutet werden (Wasserzähler dreht sich, obwohl kein Wasser läuft)
- Die Rohrleitungen über 20 Jahre alt sind und Verkalkung stark ist
- Sie ein Hauswasserwerk oder eine Druckerhöhungspumpe installieren wollen - und keine Erfahrung mit Elektro- oder Rohrinstallation haben
Ein Profi kostet 90-150 €/Stunde, aber er verhindert teure Schäden. Und: Die meisten Versicherungen zahlen Schäden durch falsche Installationen nicht.
Warum ist mein Wasserdruck plötzlich schwach geworden?
Plötzlicher niedriger Wasserdruck ist meist auf verstopfte Perlatoren oder Duschköpfe zurückzuführen. Kalk setzt sich im Laufe der Zeit in den kleinen Löchern ab und blockiert den Wasserfluss. In über 70% der Fälle hilft schon das Reinigen mit Essigessenz. Wenn das nicht wirkt, könnte ein falsch eingestellter Druckminderer oder eine versteckte Leckage die Ursache sein.
Kann ich den Druckminderer selbst einstellen?
Technisch ja - aber es ist riskant. In 22% der Fälle, in denen Hausbesitzer den Druckminderer selbst justiert haben, führte das zu einem zu hohen Druck, der Sicherheitsventile zum Tropfen brachte oder Rohrleitungen beschädigte. Die empfohlene Einstellung liegt bei 2,5-3,0 bar. Ein SHK-Installateur misst den Druck vor und nach dem Gerät und stellt ihn korrekt ein - das ist sicherer und spart langfristig Geld.
Wie viel kostet eine Druckerhöhungspumpe?
Eine gute Druckerhöhungspumpe wie die Wilo-Yonos PICO kostet ab 320 € (inkl. MwSt.). Die Installation dauert 2-3 Stunden und kann von einem Handwerker für 150-300 € erledigt werden. Die jährlichen Stromkosten liegen bei nur 15-25 €. Billige No-Name-Modelle sind oft günstiger, aber sie halten den Druck nicht konstant - und führen in 65% der Fälle zu weiteren Problemen.
Sind Hauswasserwerke sinnvoll für Einfamilienhäuser?
Ja - aber nur, wenn Sie mehrere Bäder haben, oft gleichzeitig duschen oder Waschmaschine und Spülmaschine laufen lassen. Ein Hauswasserwerk hält den Druck konstant, selbst bei hoher Nutzung. Es kostet 500-2.500 € und ist aufwendiger zu installieren als eine Pumpe. Für kleine Einfamilienhäuser mit einem Bad reicht eine Druckerhöhungspumpe meist aus.
Wann lohnt sich eine Rohrsanierung?
Eine Rohrsanierung lohnt sich, wenn Ihr Haus vor 1990 gebaut wurde und die Leitungen aus verzinktem Stahl oder Kupfer bestehen. Bei starker Verkalkung helfen Pumpen nur kurzfristig - der Kalk baut sich wieder auf. Die Sanierung kostet 85-120 € pro Quadratmeter, aber sie ist die einzige dauerhafte Lösung. Seit April 2024 fördert die Bundesregierung bis zu 20% der Kosten (max. 500 €), wenn Sie energieeffiziente Rohrleitungen einbauen.