Wenn du deine Küche neu planst, geht es nicht nur darum, schöne Schränke und ein modernes Kochfeld zu wählen. Es geht darum, dass du dich danach wohl fühlst, wenn du kochst. Dass du nicht den Rücken krümmt, wenn du die Spüle benutzt. Dass du nicht gegen die Dunstabzugshaube stößt, wenn du einen Topf anhebst. Und dass du dich nicht wie ein Läufer auf einem engen Parcours bewegen musst, wenn du nur einen Löffel holen willst. Die richtige Küchengröße und die Abstände zwischen den Elementen sind der Schlüssel zu einer Küche, die wirklich funktioniert.
Deine Körpergröße bestimmt die Höhe deiner Arbeitsfläche
Viele Menschen denken, dass 85 cm Arbeitsfläche die Standardhöhe ist. Das stimmt nur für die Durchschnittsgröße. Wenn du 170 cm groß bist, ist 95 cm die ideale Höhe. Wenn du 160 cm groß bist, reichen 85 cm. Und wenn du 185 cm groß bist, brauchst du 110 cm. Die Höhe der Arbeitsfläche sollte so gewählt werden, dass du mit geradem Rücken arbeiten kannst - ohne dich nach unten zu beugen oder die Arme zu heben. Ein einfacher Test: Steh auf, lass die Arme locker hängen und mache eine Faust. Die Oberkante deiner Faust ist ungefähr die richtige Höhe für deine Arbeitsfläche. Das ist keine Empfehlung, das ist Physik.
Dasselbe gilt für Spüle und Kochfeld. Die Spüle ist etwas höher als die Arbeitsfläche, weil du dort oft mit angewinkelten Armen arbeitest - zum Beispiel beim Abwaschen. Ein Kochfeld liegt tiefer, damit du den Topf gut anheben und umrühren kannst, ohne dich zu strecken. Die genauen Werte: Bei 170 cm Körpergröße sind 100 cm Spüle und 89 cm Kochfeld optimal. Bei 180 cm sind es 110 cm Spüle und 99 cm Kochfeld. Keine Faustregel, keine Annahme. Das ist berechnet, getestet und normiert.
Abstände zwischen den Elementen - nicht zu nah, nicht zu weit
Wenn du Kochfeld und Spüle nebeneinander platzierst, brauchst du mindestens 20 cm Abstand. Aber 60 cm ist besser. Warum? Weil du dort einen großen Topf abstellen kannst, ohne dass er an der Spüle oder an der Arbeitsfläche anstößt. Und weil du Platz brauchst, um einen Löffel zu wenden, ohne gegen die Wand zu schlagen. Dasselbe gilt für die Dunstabzugshaube. Über einem Elektroherd reichen 60 cm. Bei einem Gaskochfeld brauchst du mindestens 65 cm - mehr, wenn du große Töpfe benutzt. Manche wählen Dunstabzüge, die nach unten ziehen. Die sind praktisch, weil sie Platz über dem Kochfeld freimachen. Da kannst du dann Schränke oder Regale einbauen - und das ist ein großer Vorteil in kleinen Küchen.
Die Abstände zwischen Arbeitsfläche und Oberschränken sollten 54 bis 60 cm betragen. Zu wenig, und du schlägst dir den Kopf an, wenn du dich bückst. Zu viel, und du musst dich auf die Zehenspitzen stellen, um an Töpfe oder Teller zu kommen. Die gleiche Regel gilt für den Abstand zwischen Spüle und Oberschränken - etwa 55 cm. Das ist kein Zufall. Das ist die Höhe, bei der du bequem auf die Arbeitsfläche schauen kannst, ohne deinen Hals zu verrenken.
Die richtige Größe für Schränke und Inseln
Unterschränke sollten 60 bis 80 cm breit sein. Die Tiefe liegt bei 60 cm - das ist die Standardtiefe der Arbeitsplatte. Wenn du tiefere Schränke nimmst, stößt du beim Öffnen der Türen gegen die Arbeitsfläche. Oberschränke sind dagegen flacher: 35 cm Tiefe reicht völlig aus. Sie sind nicht dafür da, dass du dich darin versteckst. Sie sind da, um Teller, Gläser oder Gewürze aufzubewahren. Und wenn sie zu tief wären, würdest du sie beim Kochen ständig mit dem Kopf berühren. Breite: 60 bis 80 cm. Das ist der Standard. Kein Grund, 90 cm zu nehmen - das macht die Küche unnötig schwer zu durchqueren.
Eine Küchenzeile - egal ob U-, L- oder G-Form - sollte 80 bis 100 cm lang und 60 bis 70 cm tief sein. Das ist die optimale Länge, um alles zu erreichen, ohne zu weit laufen zu müssen. Eine Kücheninsel ist etwas größer: 80 bis 100 cm lang, aber 80 bis 120 cm tief. Warum so tief? Weil du dort oft sitzen willst, oder einen großen Topf abstellen musst. Eine zu schmale Insel ist nur ein Schrank mit einer Arbeitsplatte oben - kein echter Mehrwert.
Das magische Dreieck: Kühlschrank, Spüle, Kochfeld
Drei Elemente bestimmen, wie gut deine Küche funktioniert: Kühlschrank, Spüle und Kochfeld. Sie bilden das sogenannte "magische Dreieck". Jede Seite dieses Dreiecks sollte zwischen 100 und 150 cm lang sein. Wenn du von der Spüle zum Kühlschrank läufst, dann zur Arbeitsfläche, dann zum Kochfeld - du solltest nicht mehr als drei Schritte machen. Wenn du 3 Meter laufen musst, um einen Topf zu füllen, ist das keine Küche - das ist ein Hindernislauf.
Die Position dieser drei Elemente ist entscheidend. Der Kühlschrank sollte nah an der Eingangstür sein, damit du Lebensmittel schnell hinein- und heraustragen kannst. Die Spüle ist am besten an ein Fenster oder an eine Wand mit guter Belüftung. Und das Kochfeld sollte nicht direkt neben der Tür liegen - sonst stößt du beim Öffnen mit dem Topf an. Die Reihenfolge der Arbeit ist wichtig: Lagern (Kühlschrank) → Vorbereiten (Arbeitsfläche) → Zubereiten (Kochfeld) → Anrichten (Spüle). Wenn du diese Abfolge im Raum abbildest, läuft die Küche wie eine Maschine.
Durchgänge und Bewegungsräume - Platz ist kein Luxus
Wenn du allein kochst, brauchst du mindestens 80 cm Breite für die Durchgänge. Wenn du zu zweit kochst - und das tun die meisten - brauchst du 120 cm. Keine Ausnahme. Wenn du nur 90 cm hast, stößt du mit dem Ellenbogen an, wenn jemand an dir vorbeigeht. Und das passiert. Jedes Mal. In kleinen Küchen unter 10 m² reichen 70 bis 90 cm, aber das ist der absolute Mindeststandard. In größeren Küchen kannst du zwischen 80 und 100 cm gehen - je breiter, desto besser. Aber vergiss nicht: Breitere Gänge nehmen Platz aus dem Wohnbereich. Es geht nicht darum, die Küche so groß wie möglich zu machen - sondern so effizient wie nötig.
Und was ist mit Sitzplätzen? Wenn du eine Bank oder Stühle an deine Insel oder an die Wand stellst, brauchst du mindestens 70 cm Abstand zwischen Essbereich und Arbeitsfläche. Sonst kannst du nicht mal einen Teller abstellen, ohne dass jemand aufsteht. Eine Sitzbank sollte 60 cm tief sein. Mehr ist überflüssig. Und die Sitzhöhe? Sie sollte zur Tischhöhe passen. Ein Tisch auf 75 cm Höhe passt zu Stühlen mit 45 cm Sitzhöhe. Einfach. Logisch. Kein Experiment.
Mindestgrößen: Wie klein darf eine Küche sein?
Eine U-Küche braucht mindestens 15 m², um wirklich nutzbar zu sein. Das ist nicht viel, aber es ist genug, um alle Elemente mit Abständen zu platzieren. Eine L-Küche ist flexibler. Sie passt in Räume ab 8 m². Sie ist ideal für kleine Wohnungen, weil sie die Ecken nutzt und die Wege kurz hält. Eine Einzeile-Küche (eine Reihe von Schränken an einer Wand) funktioniert nur, wenn du nicht oft kochst. Sie ist praktisch für Studenten oder Singlehaushalte - aber nicht für Familien.
Die Raumhöhe ist auch wichtig. In Österreich und Deutschland schreiben die Bauordnungen für Wohnküchen eine lichte Höhe von mindestens 2,40 m vor. Aber viele Bauherren wählen 2,60 m oder 2,80 m - und das ist besser. Höhere Räume fühlen sich nicht nur luftiger an, sie ermöglichen auch höhere Oberschränke und bessere Belüftung. Und wenn du eine große Küche hast - über 10 m² - dann solltest du über 3 m Höhe nachdenken. Das ist nicht nur schön. Es ist auch gesetzlich vorgeschrieben für Gewerbeküchen, und es macht im Privathaushalt einen großen Unterschied.
Das Aufmaß: Messen ist die halbe Miete
Bevor du einen einzigen Schrank bestellst, misst du den Raum genau. Nicht grob. Nicht ungefähr. Mit einem Maßband. Und du machst eine Skizze. Du markierst: Heizkörper, Lüftungsschächte, Rohre, Fenster, Türen, Abflüsse, Stromanschlüsse. Du schaust: Wo ist die Dachschräge? Wo ist die Wand nicht gerade? Wo ist der Boden abschüssig? Diese Details bestimmen, ob deine neue Küche passt - oder ob du nach drei Wochen alles wieder abbauen musst.
Die meisten Fehler passieren nicht bei der Auswahl der Schränke. Sie passieren, weil jemand den Abstand zwischen Spüle und Wand vergessen hat. Oder weil die Dunstabzugshaube nicht mit dem Abzugskanal übereinstimmt. Oder weil die Steckdose hinter dem Kühlschrank liegt - und du ihn nicht mehr anschließen kannst. Ein genaues Aufmaß kostet eine Stunde. Es spart dir aber Wochen Ärger, unnötige Kosten und die Verzweiflung, die du hast, wenn du merkst: "Das passt nicht."
Und vergiss nicht: Deine Küche ist kein Musterzimmer. Sie ist dein Arbeitsplatz. Dein Ort der Ruhe. Dein Ort der Nahrung. Sie sollte dich unterstützen - nicht behindern. Die richtige Größe, die richtigen Abstände, die richtige Höhe - das ist kein Luxus. Das ist Grundlage. Und wenn du das richtig machst, wirst du es merken. Jeden Tag. Beim Kochen. Beim Abwaschen. Beim Kaffee trinken, während die Sonne durchs Fenster scheint.
Wie hoch sollte die Arbeitsfläche in der Küche sein?
Die ideale Höhe der Arbeitsfläche hängt von deiner Körpergröße ab. Für 160 cm Körpergröße sind 85 cm optimal, bei 170 cm sind es 95 cm, bei 180 cm 105 cm und bei 190 cm 115 cm. Ein einfacher Test: Steh auf, lass die Arme hängen, mache eine Faust - die Oberkante deiner Faust ist die perfekte Höhe.
Wie viel Platz braucht man für eine Kücheninsel?
Eine Kücheninsel sollte 80 bis 100 cm lang und 80 bis 120 cm tief sein. Die Tiefe ist entscheidend: Sie muss Platz für Sitzgelegenheiten oder große Töpfe bieten. Der Abstand zu anderen Möbeln sollte mindestens 120 cm betragen, wenn zwei Personen gleichzeitig kochen.
Was ist das "magische Dreieck" in der Küche?
Das magische Dreieck besteht aus Kühlschrank, Spüle und Kochfeld. Jede Seite dieses Dreiecks sollte zwischen 100 und 150 cm lang sein, damit du die wichtigsten Arbeitsabläufe ohne lange Wege erledigen kannst. Es ist der Kern jeder ergonomischen Küchenplanung.
Wie breit sollten Durchgänge in der Küche sein?
Allein kochend: 80-100 cm. Zu zweit kochend: mindestens 120 cm. In kleinen Küchen unter 10 m² reichen 70-90 cm, aber das ist der absolute Mindestwert. Zu schmale Gänge behindern die Bewegung und erhöhen das Risiko von Stürzen oder Anstoßen.
Wie viel Platz braucht man für eine U-Küche?
Eine U-Küche benötigt mindestens 15 m² Grundfläche, um sinnvoll und komfortabel nutzbar zu sein. Sie bietet viel Stauraum und kurze Arbeitswege, ist aber nur in größeren Räumen praktisch. Für kleinere Wohnungen ist eine L-Küche die bessere Wahl.
Was kommt als nächstes?
Hast du dein Aufmaß gemacht? Hast du die Höhen für deine Arbeitsfläche berechnet? Dann schau dir die Schränke an - aber nicht nach dem Aussehen. Schau nach den Maßen. Prüfe, ob die Tiefe der Unterschränke mit deiner Arbeitsplatte übereinstimmt. Ob die Oberschränke nicht zu tief sind. Ob die Dunstabzugshaube genug Platz über dem Kochfeld hat. Und ob du zwischen Spüle und Kochfeld wirklich 60 cm Abstand hast.
Wenn du das alles beachtet hast, dann ist deine Küche nicht nur schön. Sie ist sicher. Sie ist effizient. Und sie wird dich jeden Tag ein bisschen glücklicher machen.