Ein kaputtes Dach kann nicht warten - besonders nicht, wenn Schnee lastet, Wasser eindringt oder Dachziegel sich lösen. Viele Hausbesitzer denken: Winter ist die schlechteste Zeit für eine Dachsanierung. Und sie haben recht - aber nur, wenn sie nicht planen. Wer im Winter sanieren will, muss anders vorgehen als im Frühling. Es geht nicht um „einfach mal loslegen“, sondern um gezielte Vorbereitung, Materialkenntnis und Risikomanagement.
Warum Dachsanierungen im Winter so selten sind
Nur 12,7 % aller Dachsanierungen in Deutschland finden zwischen Dezember und Februar statt. Der Grund? Die Technik sagt Nein. Bitumenbahnen werden bei Temperaturen unter 5 °C brüchig. Klebstoffe von Sika oder Tremco Ilco härtet nicht richtig aus, wenn es kalt ist. Die Deutsche Bauzeitung bestätigt: Bei 0 °C braucht eine Dachdichtung bis zu 72 Stunden zum Trocknen - im Sommer sind es 12 bis 24 Stunden. Das ist kein kleiner Unterschied. Das ist ein Unterschied zwischen einer dichten Dachfläche und einer, die nach ein paar Monaten undicht wird.Dazu kommt das Wetter: Regen, Schnee, Eis und Sturm machen das Dach zur Rutschbahn. Die Arbeitszeit steigt um 37 %, weil Sicherheitsvorkehrungen mehr Zeit brauchen. Die Fehlerquote springt von 4,2 % im Sommer auf 11,8 % im Winter. Kein Wunder, dass viele Dachdecker lieber im März oder April anfangen.
Wann macht eine Winterdachsanierung trotzdem Sinn?
Es gibt nur zwei echte Gründe, warum man im Winter sanieren sollte: Notfall und Planung.Notfall: Ein Sturm hat Dachziegel abgerissen. Der Schnee hat die Konstruktion belastet. Wasser tropft durch die Decke. Dann zählt jede Stunde. Die Versicherung verlangt schnelle Abhilfe - und viele Versicherer, wie die Allianz, bieten spezielle Winterdachsanierungs-Policen an, die Schäden durch unzureichende Trocknung abdecken, wenn die Arbeiten nach den Leitlinien des Deutschen Dachdeckerhandwerks erfolgen.
Planung: Wer im Herbst beginnt, kann die Arbeiten vor dem ersten Frost abschließen. 78 % der Dachdecker in Bayern und Oberösterreich empfehlen Oktober bis Anfang November als optimale Phase. So hat das Material Zeit, sich zu verfestigen, bevor es kalt wird. Der Dachdecker von einem Haus in Linz hat 2023 im November begonnen. Im ersten Winter danach sanken die Heizkosten um 15 %. Kein Zufall.
Die größten Risiken - und wie man sie vermeidet
Die größten Gefahren beim Winterdachsanieren sind nicht die Kälte, sondern die Unkenntnis.1. Schnee und Eis auf dem Dach: Viele Hausbesitzer versuchen, Schnee selbst zu entfernen. Das ist gefährlich. Tim Leuwer von Setz-Leuwer warnt: „Die räumende Person kann genau die Masse sein, die fehlt, um die Dachkonstruktion zum Einstürzen zu bringen.“ Schnee lastet bis zu 1,9 kN/m² in den Alpenregionen. Das ist mehr als eine Tonne pro Quadratmeter. Ein einzelner Mensch auf dem Dach kann die Tragfähigkeit überlasten. Schneefanggitter sind Pflicht - und wer sie nicht hat, haftet laut BGH-Urteil (AZ VII ZR 123/22) für Schäden bis zu 8.500 €.
2. Feuchtigkeit im Dachstuhl: Wenn die Dampfbremse nicht richtig getrocknet ist, bildet sich im Frühjahr Kondenswasser an den Sparren. Ein Nutzer berichtete auf Hausfrage.de: Nach seiner Winterdachsanierung im Februar 2024 trat im April Feuchtigkeit auf. Die Nachbesserung kostete 2.300 €. Der Grund: Die Dichtstoffe wurden bei -2 °C verarbeitet und hatten nicht genug Zeit zu härten. Die Regel: Mindestens 48 Stunden Trocknungszeit bei Temperaturen über 5 °C. Bei 0 °C: 72 Stunden. Und nie unter 80 % Luftfeuchtigkeit arbeiten.
3. Materialversagen: Bitumenbahnen müssen bei +10 °C gelagert werden. Kunststoffbahnen brauchen mindestens +5 °C. Wer Material im kalten Garten oder in der Garage lagert, riskiert Risse und schlechte Haftung. Die Hersteller wie Rathscheck und HÜPPE verlangen klare Lagerbedingungen - und Versicherungen prüfen das.
Wie man richtig plant - Schritt für Schritt
Eine Winterdachsanierung braucht mehr Zeit - und mehr Vorbereitung.- Mindestens 6 Wochen Vorlauf: Termin bei einem Dachdecker buchen, der Erfahrung mit Winterarbeiten hat. In Bayern und Tirol gibt es spezielle Winterpakte mit Heizungen für Materialien.
- Material im warmen Lager halten: Alle Dichtstoffe, Bitumenbahnen und Kleber müssen in einem frostfreien Raum gelagert werden - idealerweise im Haus oder in einer beheizten Werkstatt.
- Wetterfenster abwarten: Arbeiten nur bei Temperaturen über 5 °C und ohne Niederschlag. Der Dachdecker braucht mindestens 3-4 Arbeiter, um bei plötzlichem Regen das Dach in 30 Minuten abzudecken.
- Sicherheit vor allem: Rutschfeste Schuhe (DGUV Regel 100-001), Sicherheitsgurte ab 20° Dachneigung, temporäre Wetterschutzdächer (mindestens 6 x 6 Meter). Keine Kompromisse.
- Trocknungszeit einhalten: Keine Belastung, kein Dachfenster einbauen, keine Dämmung auflegen, bevor die Dichtung vollständig ausgehärtet ist. Das ist nicht „nur eine Empfehlung“ - das ist die Voraussetzung für eine dauerhafte Reparatur.
- EnEV und KfW-Förderung berücksichtigen: Bei jeder Dachsanierung muss die Dämmung nach EnEV 2023 mit einem U-Wert von max. 0,14 W/(m²K) erfolgen. Die KfW-Förderung 430 gibt bis zu 20 % Zuschuss - aber die Anträge müssen mindestens 8 Wochen vor Baubeginn eingereicht werden.
Kosten: Warum es teurer ist - und wann es sich lohnt
Die Kosten für eine Winterdachsanierung liegen zwischen 128 und 145 €/m². Im Sommer sind es 110-125 €/m². Das ist ein Aufschlag von 15-17 %. Warum?- Zusätzliche Materialschutzmaßnahmen (Heizungen, frostfreie Lagerung)
- Längere Arbeitszeiten durch Sicherheitsvorkehrungen
- Höhere Personalkosten (mehr Personal nötig)
- Spezielle Ausrüstung (temporäre Wetterschutzdächer)
Aber es gibt auch Einsparungen: Die Wartezeit auf einen Dachdecker beträgt im Winter nur 2,3 Wochen - im Sommer 6,7 Wochen. Wer dringend sanieren muss, spart Zeit - und damit mögliche Schäden durch weiteres Eindringen von Feuchtigkeit.
Und die Dämmwirkung? Laut Energieberatern der Initiative Energieeffizienz ist sie im Winter um 8-12 % besser. Warum? Die Dämmstoffe werden bei kühleren Temperaturen dichter verlegt. Kein Luftzwischenraum. Keine Konvektion. Bessere Isolierung von Anfang an.
Was die Zukunft bringt - und wie man sich vorbereitet
Der Markt verändert sich. Ab 2026 soll der U-Wert für Dämmung auf 0,12 W/(m²K) verschärft werden. Das macht Sanierungen komplexer - aber auch notwendiger.Neue Materialien helfen: Selbstheilende Bitumenbahnen von EWI (seit März 2024) vertragen kältere Temperaturen und schließen kleine Risse selbst. Forscher an der TU Dresden entwickeln Frostschutzadditive, die die Verarbeitungstemperatur auf -5 °C senken könnten - Marktreife 2026.
Und die Versicherungen? Sie passen sich an. Spezielle Winterpolicen werden immer häufiger. Wer die Leitlinien des Deutschen Dachdeckerhandwerks einhält - mit 17 festgelegten Arbeitsschritten -, bekommt volle Deckung. Wer nicht, zahlt selbst.
Fazit: Winterdachsanierung - kein Tabu, aber kein Zufall
Dachsanierung im Winter ist nicht unmöglich. Sie ist nur riskant, wenn man sie wie eine Sommerarbeit behandelt. Wer planvoll vorgeht, Material richtig lagert, Sicherheitsregeln befolgt und die Trocknungszeiten respektiert, bekommt ein dichtes, warmes und sicheres Dach - auch im Winter.Die billigste Lösung ist nicht immer die günstigste. Ein feuchter Dachstuhl, der im Frühjahr schimmelt, kostet mehr als eine teurere, aber sorgfältige Winterarbeit. Und wer jetzt sanieren muss - weil Schnee, Sturm oder Wasser drängen - sollte nicht warten, bis der Frühling kommt. Aber er sollte auch nicht einfach loslegen. Er sollte planen. Und zwar richtig.
Kann man ein Dach wirklich im Winter sanieren?
Ja, aber nur unter strengen Bedingungen: Temperaturen über 5 °C, trockenes Wetter, fachgerechte Materiallagerung und ausreichende Trocknungszeiten. Die meisten Dachdecker vermeiden Winterarbeiten aus Sicherheits- und Qualitätsgründen - aber spezialisierte Betriebe in schneereichen Regionen wie Bayern oder Tirol bieten dafür geprüfte Lösungen an.
Warum ist die Trocknungszeit im Winter so viel länger?
Kälte verlangsamt die chemischen Reaktionen, die für das Aushärten von Dichtstoffen und Klebern nötig sind. Bei 20 °C härtet eine Bitumenabdichtung in 12-24 Stunden aus. Bei 0 °C dauert es 48-72 Stunden. Bei 5 °C sind es 36-48 Stunden. Wer das ignoriert, riskiert Hohlstellen, Risse und undichte Stellen - oft erst sichtbar nach dem ersten Frühling.
Was passiert, wenn ich Schnee selbst vom Dach entferne?
Sie gefährden Ihre eigene Sicherheit und die der Dachkonstruktion. Die Schneelast in den Alpenregionen kann bis zu 1,9 kN/m² betragen - das ist mehr als eine Tonne pro Quadratmeter. Ein einzelner Mensch kann das Dach überlasten und zu einem Einsturz führen. Außerdem können Sie Dachziegel oder Dachbahnen beschädigen. Lassen Sie Schneeentfernung von Fachleuten machen - oder installieren Sie Schneefanggitter, die das Risiko langfristig reduzieren.
Muss ich bei einer Dachsanierung immer dämmen?
Ja, laut Energieeinsparverordnung (EnEV 2020/2023) ist bei jeder Dachsanierung eine Dämmung mit einem U-Wert von max. 0,14 W/(m²K) Pflicht. Das gilt auch, wenn Sie nur ein paar Ziegel ersetzen. Wer das nicht macht, riskiert Bußgelder und kann später beim Verkauf Probleme bekommen. Für Häuser, die vor dem 1. Februar 2002 bewohnt wurden, besteht sogar eine Sanierungspflicht innerhalb von zwei Jahren nach Kauf.
Wie viel kostet eine Winterdachsanierung im Vergleich zum Sommer?
Eine Winterdachsanierung kostet im Durchschnitt 15-17 % mehr als eine Sommerarbeit. Das liegt an höheren Materialkosten (frostfreie Lagerung), längeren Arbeitszeiten und zusätzlicher Ausrüstung wie Wetterschutzdächern. Allerdings ist die Wartezeit auf einen Dachdecker im Winter deutlich kürzer - oft nur 2-3 Wochen statt 6-7 Wochen. Bei einem Notfall kann das die bessere Wahl sein.
Gibt es Förderungen für Winterdachsanierungen?
Ja, die KfW-Förderung 430 bietet bis zu 20 % Zuschuss für energetische Dachsanierungen - unabhängig von der Jahreszeit. Wichtig: Der Antrag muss mindestens 8 Wochen vor Baubeginn gestellt werden. Die Förderung deckt die Dämmung und die Dachsanierung ab - also auch die Mehrkosten des Winters, wenn die Arbeiten nach EnEV erfolgen.
Was ist der beste Zeitpunkt für eine Dachsanierung?
Der beste Zeitpunkt ist der Herbst: Oktober bis Anfang November. Die Temperaturen sind noch mild genug für eine fachgerechte Verarbeitung, aber es ist noch keine Schneelast zu erwarten. 78 % der Dachdecker empfehlen diese Phase. So haben Sie die Vorteile der geringen Wartezeit und der optimalen Arbeitsbedingungen - ohne die Risiken des Winters.