Wer ein Loch in die Wand bohrt, denkt oft: Schlagbohrer ist gleich Schlagbohrer. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Im Mauerwerk - ob Beton, Ziegel oder Naturstein - unterscheidet sich die richtige Werkzeugwahl zwischen einem einfachen Bohrer und einem echten Bohrhammer wie Tag und Nacht. Ein falsches Gerät führt nicht nur zu schlechten Ergebnissen, sondern kann auch deine Gesundheit gefährden, den Bohrer ruinieren oder die Maschine kaputt machen.
Was macht ein Schlagbohrer eigentlich?
Ein Schlagbohrer (auch Schlagbohrmaschine genannt) ist eine Kombination aus Rotation und einem mechanischen Schlagimpuls. Während der Bohrer dreht, wird er zusätzlich mit kurzen, schnellen Stößen nach vorne gedrückt. Diese Kombination aus Drehen und Schlagen hilft, hartes Material wie Ziegel, Leichtbeton oder Putz zu durchbrechen. Die Schlagfrequenz liegt bei modernen Geräten oft über 15.000 Schlägen pro Minute - das ist fast 250 Schläge pro Sekunde.
Doch hier ist der entscheidende Punkt: Die Schlagkraft ist begrenzt. Ein Schlagbohrer ist kein Bohrhammer. Er ist für mittelharte Materialien gedacht. Wenn du in einen dicken Betonblock oder Stahlbeton bohrst, wird er überfordert. Die Maschine vibriert stark, der Motor überhitze, und der Bohrer wird stumpf - oft schon nach wenigen Löchern.
Ein guter Schlagbohrer hat drei wichtige Funktionen: Eine variable Drehzahl (0-3.000 U/min), eine ein- und ausschaltbare Schlagfunktion, und eine Vibrationsdämpfung. Die Schlagfunktion musst du nur beim Mauerwerk einschalten. Für Holz oder Metall schaltest du sie aus - sonst reißt du die Schrauben aus oder verbiegst den Bohrer.
Wann brauchst du einen Bohrhammer?
Ein Bohrhammer (z. B. Bosch GBH 2-26 F) funktioniert anders. Er nutzt einen pneumatischen Mechanismus - wie ein kleiner Luftdruckkolben - der viel mehr Energie in den Bohrer überträgt. Das macht ihn ideal für massive Betonwände, Stahlbeton, Granit oder Naturstein. Er bohrt tiefer, schneller und mit weniger Kraftaufwand von dir.
Ein Schlagbohrer braucht von dir Druck. Ein Bohrhammer nimmt dir den Druck ab. Du hältst ihn nur noch leicht an die Wand. Er macht den Rest. Das ist nicht nur effizienter - es ist auch schonender für deine Arme und Schultern. Bei mehr als zehn Löchern im Beton wirst du das spüren.
Wenn du ein Dübelloch für einen schweren Regalträger in einer Außenwand bohrst, reicht ein Schlagbohrer vielleicht. Aber wenn du eine ganze Wand mit Ankerbolzen für eine Balkonterrasse befestigen willst - dann brauchst du einen Bohrhammer. Oder wenn du in einer 30-cm-dicken Betonwand eine Kabelkanalbohrung machen musst. Dann ist ein Schlagbohrer überfordert. Du kannst stundenlang bohren - und kommst nicht durch.
Leistung, Gewicht und Preis: Was ist realistisch?
Ein günstiger Schlagbohrer kostet 50 bis 80 Euro. Der Bosch EasyImpact 630, der von Testberichte.de mit „Sehr gut“ bewertet wurde, liegt bei 120 Euro. Er hat 630 Watt Leistung - das reicht für die meisten Heimwerkerprojekte: Loch für Steckdose, Bilderaufhänger, Wandhalterungen.
Wenn du öfter bohrst - z. B. jedes Wochenende ein neues Regal - solltest du mindestens 750 Watt nehmen. Modelle von Makita oder Metabo mit 900 Watt sind da die bessere Wahl. Sie halten länger, haben bessere Dämpfung und eine stabilere Aufnahme für Bohrer.
Professionelle Bohrhämmer kosten ab 250 Euro. Der Bosch Professional GBH 2-26 F, Testsieger von Chip.de, liegt bei 350 Euro. Er hat 1.000 Watt, eine Schlagenergie von 2,6 Joule und ist für den täglichen Einsatz in der Baustelle gemacht. Er wiegt 3,1 Kilo - nicht leicht, aber durch die ergonomische Form und die Dämpfung gut zu halten.
Akkugeräte werden immer beliebter. Ein 18-Volt-Akku-Schlagbohrer von AEG oder Makita ist praktisch, wenn du keine Kabel im Weg haben willst. Aber Achtung: Bei schwerem Mauerwerk verliert der Akku schnell Kraft. Ein kabelgebundener Schlagbohrer mit 800 Watt ist bei längerem Einsatz oft leistungsfähiger. Der AEG-Akku-Bohrer wurde 2023 vom ETM Testmagazin als bestes Modell für schwache Akkuleistung gelobt - aber nur, weil er trotz niedriger Batterie noch konstant bohrte.
Welcher Bohrer passt zu welchem Material?
Nicht jeder Bohrer ist gleich. Für Mauerwerk brauchst du immer einen Bohrer mit Hartmetallspitze. Die Spitze ist aus Wolframcarbid - das ist härter als Stahl. Die Form ist wichtig: Ein Spreizbohrer (mit zwei Schneiden) ist besser als ein einfacher Spiralbohrer.
Die Größe richtet sich nach dem Dübel. Ein 6-mm-Dübel braucht einen 6-mm-Bohrer. Ein 10-mm-Dübel braucht einen 10-mm-Bohrer. Das klingt einfach - aber viele machen den Fehler, einen größeren Bohrer zu nehmen, weil sie denken, das macht es leichter. Falsch. Ein zu großer Bohrer lässt den Dübel locker sitzen. Der Halt ist schlecht. Der Schraube rutscht raus.
Bei porösem Ziegel oder altem Putz empfehlen Experten: Bohre mit einem Bohrer, der 1 mm kleiner ist als der Dübel. So vermeidest du, dass das Mauerwerk ausbricht. Nach dem Bohren reinigst du das Loch mit einem Staubsauger - kein Luftblase, kein Staub. Sonst klebt der Kleber nicht, und der Dübel rutscht.
Die richtige Bohrtechnik - Schritt für Schritt
Bohren im Mauerwerk ist kein Blitz- und Knall-Act. Es braucht Methode.
- Prüfe die Wand: Nutze einen Leitungssucher, um Kabel und Wasserleitungen zu finden. Einmal falsch gebohrt - und du hast eine teure Reparatur.
- Markiere den Punkt: Mit einem Nagel oder einem Stift. Sonst rutscht der Bohrer ab, wenn du startest.
- Bohrer einsetzen: Im rechten Winkel zur Wand. Keine Schräglage. Sonst wird das Loch schief.
- Starte langsam: Zuerst ohne Schlagfunktion. Nur drehen. So bohrst du durch den Putz, ohne dass der Bohrer abrutscht.
- Schlagfunktion einschalten: Sobald du im Mauerwerk bist, aktivierst du den Schlag. Jetzt drückst du leicht, aber konstant. Nicht zu fest. Sonst überlastest du den Motor.
- Immer wieder rausziehen: Nach 5-10 Sekunden den Bohrer kurz herausziehen. So wird der Staub rausgezogen. Sonst verstopft er das Loch, und der Bohrer überhitzt.
- Tiefe prüfen: Nutze einen Bohrer mit Tiefenanschlag. Oder markiere den Bohrer mit Klebeband. Die Tiefe sollte immer Dübellänge + 1 cm betragen.
- Loch reinigen: Mit dem Staubsauger. Niemals mit dem Mund blasen. Staub ist giftig, wenn er in der Lunge bleibt.
Was passiert, wenn du das falsche Werkzeug nimmst?
Ein günstiger Schlagbohrer, der zu oft in Beton bohrt, stirbt schnell. Nutzer berichten auf Bau-Foren: Nach 6-12 Monaten regelmäßiger Betonarbeit ist der Motor kaputt. Die Kupplung bricht, die Getriebe zerspringen. Du hast 80 Euro ausgegeben - und nach einem Monat 200 Euro für ein neues Gerät.
Und dann ist da noch die Gesundheit. Vibrationen von schlecht gedämpften Geräten können langfristig zu Hand-Arm-Vibrationssyndrom führen - ein Nervenschaden, der Taubheit, Schmerzen und Kraftverlust in den Händen verursacht. Das ist kein theoretisches Risiko. Es ist in der Berufsgenossenschaft dokumentiert.
Bohrer, die zu schnell stumpf werden, verursachen mehr Druck. Du musst stärker drücken. Das führt zu Muskelverspannungen, Schulter- und Rückenschmerzen. Ein guter Schlagbohrer mit Dämpfung spart dir nicht nur Zeit - er spart dir auch Arztbesuche.
Was kaufen? Empfehlungen für verschiedene Bedürfnisse
Wenn du nur gelegentlich bohrst - ein Bild, ein Regal, ein Gardinenstab - dann reicht ein Schlagbohrer mit 600-750 Watt. Der Bosch EasyImpact 630 ist der beste Einstieg. Leise, leicht, mit guter Dämpfung. Preis: 120 Euro.
Wenn du mehrmals im Monat arbeitest - z. B. ein neues Badezimmer, eine neue Küche - dann nimm den Bosch AdvancedImpact 900. 900 Watt, variable Drehzahl, Schnellspannfutter. Preis: 180 Euro. Er hält Jahre.
Wenn du professionell arbeitest oder eine ganze Wand mit Löchern füllen willst - dann kaufe einen Bohrhammer. Der Bosch Professional GBH 2-26 F ist der Testsieger. Oder der Scheppach DH1300 Plus als Preistipp. Beide haben mehr als 1.000 Watt und eine Schlagenergie von über 2 Joule. Preis: 250-300 Euro.
Wenn du kabellos arbeiten willst, aber nicht zu viel ausgeben willst: Der AEG 18-Volt-Akku-Schlagbohrer ist der einzige, der auch bei schwachem Akku noch zuverlässig bohrt. Ideal für kleinere Projekte unterwegs.
Sicherheit ist kein Bonus - sie ist Pflicht
Beim Bohren im Mauerwerk fliegen Splitter, Staub und kleine Steinchen durch die Luft. Du brauchst:
- Eine Schutzbrille - sonst landet ein Steinchen in deinem Auge.
- Eine Staubmaske (mindestens P2) - Betonstaub enthält Kieselsäure. Das ist krebserregend.
- Gehörschutz - Schlagbohrer erreichen 100 Dezibel. Das ist so laut wie ein Presslufthammer. Nach 15 Minuten ist dein Gehör geschädigt.
- Arbeitshandschuhe - nicht nur für Griffigkeit, sondern auch gegen scharfe Kanten.
Und vergiss nicht: Nie mit Handschuhen am Bohrer arbeiten, wenn du den Bohrer wechselst. Die Maschine kann sich noch drehen. Einmal falsch - und du verlierst einen Finger.
Was kommt als Nächstes?
Die Zukunft der Werkzeuge ist kabellos, intelligent und nachhaltig. Hersteller wie Bosch und Makita entwickeln Schlagbohrer, die sich per App verbinden - sie zeigen dir, wie viel Kraft du aufwendest, wann der Motor überhitzt, und wann du den Bohrer wechseln sollst. Einige Geräte warnen dich sogar, wenn du zu viel Druck ausübst.
Und es geht um Langlebigkeit. Früher hieß es: „Kauf ein billiges Gerät, wenn du nur selten bohrst.“ Heute heißt es: „Kauf ein gutes Gerät, das du 10 Jahre nutzt.“ Die meisten Hersteller bieten jetzt Ersatzteile an - Motoren, Getriebe, Dämpfungen - und nicht nur den kompletten Bohrer. Das spart Geld und Ressourcen.
Am Ende geht es nicht darum, das billigste Gerät zu kaufen. Es geht darum, das richtige Gerät für deine Aufgabe zu wählen. Denn ein falscher Bohrer kostet dich nicht nur Geld - er kostet dich Zeit, Nerven und vielleicht sogar deine Gesundheit.
Kann ich mit einem Schlagbohrer auch in Stahlbeton bohren?
Mit einem normalen Schlagbohrer kannst du nur sehr dünne Betonwände oder leichten Beton durchbohren - etwa 5 bis 8 cm dick. Bei Stahlbeton mit Bewehrungsstäben oder dicken Wänden über 10 cm ist er überfordert. Du riskierst Motorüberhitzung, Bohrerbruch und hohe Vibrationen. Für Stahlbeton brauchst du einen Bohrhammer mit mindestens 1.000 Watt Leistung und einer Schlagenergie von über 2 Joule.
Warum vibriert mein Schlagbohrer so stark?
Vibrationen kommen von der Schlagfunktion - das ist normal. Aber wenn die Vibrationen ungewöhnlich stark sind, liegt das oft an einem schlecht sitzenden Bohrer, einem abgenutzten Futter oder einem defekten Dämpfungssystem. Prüfe, ob der Bohrer richtig eingespannt ist. Nutze nur Original- oder qualitativ hochwertige Bohrer. Günstige Modelle haben oft schlechte Dämpfung - das ist kein Mangel, sondern eine Kostenersparnis des Herstellers.
Welcher Bohrer ist besser: Hartmetall oder Diamant?
Für Mauerwerk wie Beton, Ziegel und Stein ist Hartmetall die Standardwahl. Es ist robust, preiswert und gut geeignet. Diamantbohrer sind für sehr harte Materialien wie Granit, Naturstein oder keramische Fliesen gedacht. Sie sind teurer, langsamer und brauchen Kühlung. Für normale Heimwerkerprojekte brauchst du keinen Diamantbohrer - er ist überdimensioniert und unnötig teuer.
Sollte ich einen Akku- oder kabelgebundenen Schlagbohrer kaufen?
Kabelgebundene Geräte sind leistungsstärker und eignen sich besser für längere oder schwere Arbeiten. Akkugeräte sind flexibler - besonders wenn du in schwer erreichbaren Stellen arbeitest. Für gelegentliche Heimwerker ist ein 18-Volt-Akku-Schlagbohrer ausreichend. Für regelmäßiges Bohren in Beton ist ein kabelgebundenes Gerät mit 800-1.000 Watt die bessere Wahl. Akkus verlieren bei hohem Stromverbrauch schnell Leistung - das ist kein Mangel, sondern Physik.
Wie oft muss ich den Bohrer wechseln?
Ein guter Hartmetallbohrer hält 50-100 Löcher in Ziegel oder Leichtbeton. In hartem Beton sind es nur 10-20 Löcher. Wenn der Bohrer stumpf ist, bohrt er langsamer, überhitzt schneller und reißt das Mauerwerk. Du merkst es, wenn du mehr Druck ausüben musst oder der Bohrer nicht mehr in das Material eindringt. Wechsle ihn, bevor du den Motor überlastest.
Personenkommentare
Ich hab mal mit nem Billig-Schlagbohrer in Beton gebohrt - nach drei Löchern war der Motor wie weggeblasen. Kein Wunder, dass die Leute dann sagen, Bohrer sei egal. Falsch! Es ist wie mit Autoreifen: Du kannst auch mit Fahrradreifen auf der Autobahn fahren, aber du wirst es bereuen.
Und nein, ich hab keinen Bosch gekauft, sondern einen Makita. Der hält.
Und ich hab noch beide Hände.
Manche denken Bohren ist einfach. Aber es ist tief. Es ist die Verbindung zwischen Mensch und Stein. Der Bohrer ist kein Werkzeug. Er ist ein Spiegel. Was du hineinlegst, kommt zurück. Vibrationen. Schmerz. Staub. Alles. Du musst dich fragen: Wer bist du, wenn du bohrst?